Medusa

Meine Tränen machen mich
zur Medusa, der
schlangenhäuptigen mit
verzerrtem Gesicht, ich
beiße mir die
Lippen blutig mit
zu langen Zähnen und
winde mich
drachengeschuppt in
meinem Elend. 

Meine Tränen machen mich
zur Medusa und
Dich zu Stein.

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Intoccabile

nur einmal Dir
die Haut berühren und
die sommergebliebenen Träume
vom Gesicht streichen

nur einmal Dir
Deiner Augen wintertragende
Blicke auffangen und
Dir durchs hellere Haar fahren

nur einmal Dir
Dein herbstliches Herz küssen
oder doch
die Frühlingshaut darüber

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Vom Nicht-Einschlafen

Ich liege still
und warte auf den Schlaf,
geringelt in mich
wie eine Katze am warmen Ofen
mit untergeschlagenen Pfoten
und heißem Fell,
geringelt in mich
wie eine Schlange mit
goldglänzenden Schuppen
ganz glatt und kühl.

Ich liege still und warte,
behaglich und schlaftrunken
geringelt in mich,
doch die Furcht kommt
und packt mein Herz im Nacken
und trägt es fort,
in die kalte Nacht hinaus
wie ein Raubvogel
seine Beute.

Geringelt in mich
liege ich still
und warte.

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Du sollst

für M. 

Du sollst mich küssen
und meinen Mund verschließen
mit Deinen Lippen, damit
zwischen den meinen
kein Schluchzen hervordringt.

Du sollst mich ansehen,
tief in meine Augen
und zurückdrängen damit
meine Tränen in die Höhlen.

Du sollst mich lauschen lassen
nach Deinem Herzschlag, damit
ich den Takt wiederfinde
und mich halten kann daran.

Du sollst nur schweigen,
meine Haut bedecken mit der Deinen
und mich halten, damit
es aufhört, das Zittern meines Herzens
und das Frieren von innen.

Ich seh’ Dich an
und schweige.

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Unreine Reime

Ganz kühl und klar
die Luft heut’ war,
die Sonn’, der Wind
wie Frühling sind,
ganz kurz und stramm
der Spa-zier-gang
zur Isar hin
vertreibt den Grimm.

 

P.S. Ich hoffe, ihr habt heute auch so gute Frühlingslaune wie ich und verzeiht mir deshalb dieses kunstlose Spaßgedichtchen… Über die Betonung Spá – zier – gáng könnt’ ich mich heute jedenfalls ausführlich freuen… 

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Immer Du

Ich erkenne Dich wieder,
am Klang Deiner Schritte
hinter mir.

Ich erkenne Dich wieder
am Brennen Deines Blicks
in meinem Nacken. 

Ich erkenne Dich wieder,
an Deinem federnden Gang,
auf andren Straßenseiten.

Ich erkenne Dich wieder,
an Deinem Duft,
ganz nah.

Ich erkenne Dich wieder,
aber nie bist Du’s.
Und ich habe Sehnsucht
nach der Sehnsucht,
die ich hatte nach Dir.

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Wessen Herz

Wenn Du wüsstest,
wessen Herz ich trage,
tief in der Brust
und wie wild es schlägt,
Du würdest es fürchten,
sein Knurren und Brüllen,
seinen Angriffslauf,
seinen roten Rachen und
seine Reißzähne.

Du könntest es ahnen,
wenn der Wind mir durchs Haar tobt
und mir’s zur Mähne macht,
Du könntest es ahnen,
wenn Du mich streichelst
und ich schnurre.

Wie ein Löwenkätzchen.

 

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Mein Fellherz

Es fehlt meinem Herzen
(dem kleinen, wilden Tier)
das Fell,
das weiche und dämpfende,
das wärmende und schützende.

Denn jemand hat‘s gejagt und verfolgt,
hat‘s gefangen und erobert
und es ging in die Falle, die süße
(das wilde, befellte Wesen).
Jemand hat‘s gestreichelt und geküsst,
hat‘s gezähmt. Und ihm dann
das Fell abgezogen, es
sorgfältig gehäutet
mit den Zähnen.

Mein Herz ist blutendes Fleisch,
ganz felllos und bloß,
wild pochend und waidwund,
ganz nackt und blutnass,
(das winzige, zahme Tier).

Und deshalb friert‘s
und der Schmerz geht
so nah.

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nirgends mehr

doppeldeckerlichtreihen durch
leuchtstädte des nachts und
Herzensschwere im Dunkel der züge
wieso der mond noch voll wird
wenn’s unten schon blinkt und blitzt
und dennoch nicht
warm wird im herzen und hell
wieso der zug noch fährt und
einen hinträgt wo
man nicht daheim ist
wie nirgends mehr

leichte lichtreihen der doppeldeckerzüge
und der stadthelle vollmond
und fürs Herzdunkel kein Leichtes
in keiner blinkenden nachtstadt
nirgends mehr
wessen licht man auch teilt

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Dich atmen

für M. 

Dem Schrägschnitt Deines Haars folgen,
vom tiefen Augenbraun
zwischen Zuckerwimpern bis hin zur
duftweichen Nackenlinie.
Einpassen mein Haupt zwischen
Kopf und Schulter bei Dir,
an Deine Dufthaut dicht
die Nase pressen,
Deines Halses Hautsüße
sanft küssen und
Dich atmen.

Und nur manchmal
Herzfurcht vor zu viel
Vernunft
in Deiner Liebe und ich nur
die beste, die Dir begegnete, nicht
mehr, nicht
die eine und Zweifel
ob das reicht
mich zu ertragen.

In die Hautsüße Deines Nackens
schnellere Küsse drücken, duftweich und
vernunftvergessen
versinken in Deinem Hautduft
unterm Schräghaar,
nur Dich atmen, Liebster.

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