Bildung als Liebesakt

Alban Nikolai Herbst hat gestern anlässlich eines Bibelzitats in einem Gedicht eines Teilnehmers von ANH’s Werkstatt etwas so Schönes über Bildung (bzw. deren Verarbeitung in Literatur) geschrieben, dass ich dieses Zitat unbedingt in meinem Blog haben muss:

Gehen Sie mit Bildungsinhalten spielerisch um; sowie sie etwas Quälerisches bekommen, wird es kontra-produktiv. G e n i e ß e n Sie, was Sie erfahren; [...] Man muß den "Dingen" nur nah sein, man darf sie nicht wider Willen verbiegen, sondern muß sie verführen, dann geben sie sich einem hin. Und schaffen im selben Moment Erkenntnis. Bildung ist ein Liebesakt.

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Kirschkernkissen

Der geröstete Geruch
warmer Kirschkernkissen
und der Klang des Worts,
das Geräusch der
gegeneinanderklickenden Kugelkerne
beim Schwenken und Kneten
des Kirschkernkissens
wie zufällig
onomatopoietisch abbildend.

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Überquerungen

Wie Menschen über Plätze gehen: ob sie sich vorsichtig am Rand des Platzes entlangschieben mit hängenden Schultern, am Schutz der Häuserwände entlangschleichen wie eben in die Freiheit des Kinderzimmers entlassene Nagetiere oder ob sie hochaufgereckt und stolz über die Mitte des Platzes schreiten, mit langen Schritten.

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Sowohlalsauch

Das Gute am Fahrradfahren: dass mir dabei, besonders auf altbekannten Pfaden radelnd, besonders in der wachküssenden Sonne und der wachklirrenden Kälte, Ideen zufliegen und Worte um die Ohren sausen.

Das Schlechte am Fahrradfahren: dass ich dabei, die Hände an den Lenker gefesselt, nicht schreiben kann und mir die Ideen und Worte beim Absteigen vom Rad – meistens – ganz plötzlich entfallen.

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Stille

Manchmal trete ich auf meinen Balkon und erschrecke fast, wie still es im Hinterhof ist. Besonders wenn es ausnahmsweise mal nicht regnet und keine Tropfen auf Dächer prasseln. Einfach nur Stille. Niemand hört Musik, kein Hund bellt, keiner streitet sich mit irgendwem, keine Kinder schreien, niemand muss draußen laut telefonieren oder sein Motorrad starten, nichts, nur Ruhe. Mitten im ‘In-Viertel’. Nur die Nachbarin auf dem Balkon drei Häuser weiter sitzt immer noch im Bikini draußen – was ich bei 17 Grad doch sehr mutig finde – und wechselt alle zwei Minuten die Position, um gleichmäßig braun zu werden. Die weiße Katze schleicht völlig geräuschlos durch den Hof nebenan. Nicht einmal Wind, der die Blätter bewegt. Und dann kommt eine verspätete Hummel und setzt sich auf einen verspätet blühenden Zweig meines Lavendelbusches. Und es ist wieder still. Und auch die Sonne macht kein Geräusch.

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