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	<title>Die Sprachspielerin &#187; Wissenschaft</title>
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	<description>Literaturblog :: Texte &#38; mehr</description>
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		<title>Literaturblogs</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jan 2009 16:45:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Germanistisches]]></category>
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		<description><![CDATA[Eigentlich wollte ich das ja schon auf dem FrauenBarCamp erz&#228;hlen. Da war dann aber keine Zeit und kein Raum mehr zur Verf&#252;gung.  Also hole ich es jetzt einfach als Artikel hier nach: Die Vorstellung einiger Literaturblogs. Das bedeutet, dass ich nicht theoretisch danach fragen werde, was ein Literaturblog ist, sein kann und wie man [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich das ja schon auf dem <a href="http://www.sprachspielerin.de/2008/09/03/rueckblick-erstes-barcamp-fuer-frauen/" target="_blank">FrauenBarCamp</a> erz&#228;hlen. Da war dann aber keine Zeit und kein Raum mehr zur Verf&#252;gung.  Also hole ich es jetzt einfach als Artikel hier nach: Die Vorstellung einiger Literaturblogs. Das bedeutet, dass ich nicht theoretisch danach fragen werde, was ein Literaturblog ist, sein kann und wie man ihn definiert, was genau sich nun Literaturblog nennen darf und was nicht. Das<a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3905846004?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3905846004" target="_blank"> k&#246;nnen andere sicher viel besser</a>. Es bedeutet einfach, dass ich einige Blogs hier verlinken und kurz beschreiben m&#246;chte, damit sich Interessierte gegebenenfalls von dort aus auch weiterklicken k&#246;nnen. Nat&#252;rlich eine h&#246;chst subjektive Auswahl.</p>
<p>Aber zuerst: was ist <strong>f&#252;r mich</strong> ein Literaturblog, welche Art von Blog f&#252;hre ich hier an? Ich verstehe darunter zun&#228;chst einmal keinen B&#252;cher-Rezensionsblog wie z.B. <a href="http://www.litkara.de/litblog.php" target="_blank">Liisas Litblog</a> oder auch den <a href="http://lesekreis.org/" target="_blank">Lesekreis</a>. Ich verstehe darunter auch nicht das Tagebuch eines Schriftstellers, wie wir es etwa beim <a href="http://www.else-buschheuer.com/tagebuch.php" target="_blank">&#8220;Leipzig-Tagebuch&#8221; von Else Buschheuer</a> (u.a. Autorin von <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3453190041?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3453190041" target="_blank">Ruf! Mich! An!</a>) haben. Erstens erz&#228;hlt sie hier ausschlie&#223;lich Geschichten aus ihrem Leben und kommentiert ihren Alltag. Auch wenn das sogar schon <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3939611085?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3939611085" target="_blank">in Buchform erschienen</a> ist, f&#252;r mich sind das keine literarischen Texte im engeren Sinne. Au&#223;erdem kann man sich sogar streiten, ob das ein Blog ist: man kann nicht kommentieren! F&#252;r mich ist das aber ein Definitionselement, das ganz elementar zu einem Blog geh&#246;rt.</p>
<p>Was ich also unter Literaturblogs verstehe, das sind &#8220;Literarische Blogs&#8221;, also Blogs, auf denen literarische Texte (Lyrik oder Prosa) ver&#246;ffentlicht werden. Das muss nicht ausschlie&#223;lich der Fall sein (nat&#252;rlich sind meist auch pers&#246;nliche Texte eingestreut), aber doch &#252;berwiegend. Nat&#252;rlich ist das eine winzige Nische in der (in Deutschland) ohnehin nicht so gro&#223;en Blogwelt. Hier wird kein Geld verdient, hier finden sich relativ wenige Leser, hier kommt niemand in die Blogcharts. Die Frage, die sich nun also stellt: Wie findet man literarische Blogs?</p>
<p>Ein m&#246;glicher Startpunkt ist trotz allem immer noch das <a href="http://www.mindestenshaltbar.net/" target="_blank">Online-Magazin mindestenshaltbar</a>, das bedauerlicherweise im Mai 2008 eingestellt wurde. Trotzdem findet man hier jeweils zu einem bestimmten Thema literarische Texte von Bloggern und Bloggerinnen. Die Blogs dieser Autoren sind wiederum verlinkt, so dass man sich hier schon einige interessante Literaturblogs zusammensammeln kann. Mindestenshaltbar wurde erst von <a href="http://www.derwesten.de/community/Katharina.Borchert/" target="_blank">Katharina Borchert</a> gef&#252;hrt, dann von <a href="http://don.antville.org/" target="_blank">DonDahlmann</a> &#252;bernommen und von <a href="http://www.knallgrau.at/willkommen" target="_blank">knallgrau</a> betrieben, bis diese keine Lust mehr hatten. Das ganze ist magazinm&#228;&#223;ig aufgezogen, gl&#228;nzte jeweils durch eine tolle Grafik, setzte sich bei<a href="http://www.mindestenshaltbar.net/0310" target="_blank"> jeder Ausgabe ein bestimmtes Thema</a> und au&#223;erdem gab es <a href="http://www.mindestenshaltbar.net/podcast" target="_blank">Podcasts zu ausgew&#228;hlten Beitr&#228;gen</a>.</p>
<p>Wie gesagt: tot, leider. Eine &#8220;lebendige&#8221; Sammelstelle f&#252;r Literaturblogs findet man unter <a href="http://www.litblogs.net/" target="_blank">Litblogs.net</a>, die schlie&#223;lich im Untertitel schon &#8220;literarische Weblogs&#8221; hei&#223;en. Dort sind die Feeds von momentan 17 selbst&#228;ndigen literarischen Blogs versammelt. Das Projekt wurde 2004 von <a href="http://www.litblogs.net/markus-a-hediger/" target="_blank">Markus A. Hediger</a> und <a href="http://www.litblogs.net/hartmut-abendschein/" target="_blank">Hartmut Abendschein</a> gegr&#252;ndet und gedeiht und w&#228;chst seitdem sanft vor sich hin. Die Feeds aller Blogs sind dort direkt als Paket abonnierbar. Es lohnt sich wirklich, dort zu st&#246;bern!</p>
<p>Einer der dort vertretenen Autoren ist <a href="http://www.litblogs.net/alban-nikolai-herbst/" target="_blank">Alban Nikolai Herbst</a> mit seinem <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/" target="_blank">Weblog Die Dschungel</a>. Alban Nikolai Herbst hei&#223;t eigentlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst" target="_blank">Alexander von Ribbentrop</a> und lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Bekannt wurde er wahrscheinlich vor allem durch einen &#8220;Literaturskandal&#8221;, gegen seinen <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3866380046?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3866380046" target="_blank">Roman &#8220;Meere&#8221;</a> hatte eine ehemalige Gef&#228;hrtin 2003 eine einstweilige Verf&#252;gung erwirkt. Alban Nikolai Herbst (kurz auch ANH genannt) bloggt seit 2004 und nennt sein Blog auch &#8220;seinen Roman&#8221;. Dieser hei&#223;t nicht umsonst &#8220;Die Dschungel&#8221;, denn der Aufbau der Seite mit all den Unterkategorien und mit all den anderen Autoren, die neben ANH selbst auf &#8220;Die Dschungel&#8221; schreiben, ist h&#246;chst kompliziert und verschachtelt und au&#223;erdem von einer Vermischung von Fiktion und Realit&#228;t gekennzeichnet. Das sollte einen vom Lesen aber keinesfalls abhalten. <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/" target="_blank">Auf der Hauptseite</a> finden sich jeweils eigene und fremde Texte, aber manchmal auch Gedichte, die noch &#252;berarbeitet werden. Die &#220;berarbeitung durch und nach Kommentierung wird so sichtbar, was ein h&#246;chstspannender Prozess ist. Au&#223;erdem gibt es<a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/topics/Arbeitsjournal/" target="_blank"> Albans Arbeitsjournal</a>, aus dem ersichtlich wird, dass der Arbeitstag des Autors jeweils gegen 5:30 Uhr beginnt. Auch als Mittel zur Selbstdisziplinierung gedacht (wenn ich das richtig verstanden habe), erf&#228;hrt man dort, woran Alban arbeitet, welche Musik er h&#246;rt und auch einiges aus seinem ganz pers&#246;nlichen Leben. Mehr dazu kann man auch in der <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/topics/tagebuch" target="_blank">Rubrik Tagebuch</a> lesen, wo allerdings nicht nur Alban selbst, sondern auch verschiedene andere Personen (von denen man nicht so genau wei&#223;, ob es sie wirklich gibt) schreiben, die Identit&#228;ten bleiben unklar, was ja aber auch ganz reizvoll ist. Ein interessantes Projekt war auch <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/topics/+W+E+R+K+S+T+A+T+T/" target="_blank">Albans Werkstatt</a>, eine virtuelle Literaturwerkstatt, die er in Zusammenhang mit seiner Poetikprofessur in Heidelberg begonnen hatte. Hier konnte jeder seine Texte einstellen, entweder einfach so oder zu einem gestellten Thema und Alban lektorierte und verbesserte. Sehr hilfreich und ein herausragender Service. Das Ganze ist inzwischen ins <a href="http://virtuellesseminar.blog.uni-heidelberg.de/" target="_blank">&#8220;Virtuelle Seminar&#8221; der Uni Heidelberg</a> verlegt worden, sicher auch einen Besuch wert!</p>
<p>Weitergehen soll es jetzt mit <a href="http://sudabehmohafez.de/vita.html" target="_blank">Sudabeh Mohafez</a>, einer in Teheran geborenen Schriftstellerin, die in Stuttgart lebt und schon mehrere<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3833304642?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3833304642" target="_blank"> Erz&#228;hlungen</a> und einen <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3716023469?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3716023469" target="_blank">Roman</a> ver&#246;ffentlicht hat. 2008 war sie f&#252;r den Bachmannpreis nominiert, ebenfalls 2008 erhielt sie den MDR-Literaturpreis. Ihr Blog hei&#223;t ganz bescheiden <a href="http://eukapi.twoday.net/" target="_blank">&#8220;zehn zeilen &#8211; eukapirates versucht sich an der kleinen Form&#8221;</a>. Sie schreibt hier in unregelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden jeweils 10 Zeilen nach der Methode: maximal 10 Minuten schreiben, maximal 2 Mal &#252;berarbeiten. Mit immer wieder interessanten Ergebnissen.</p>
<p>Auch <a href="http://turmsegler.net/autoren/" target="_blank">Benjamin Stein</a>, der in M&#252;nchen lebt, hat schon Preise erhalten, unter anderem f&#252;r seinen <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3250102725?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3250102725" target="_blank">Roman &#8220;Das Alphabet des Juda Liva&#8221;</a>, 1993 hat auch er am Bachmannwettbewerb teilgenommen. Auf seinem <a href="http://turmsegler.net/" target="_blank">Blog Turmsegler</a> erscheint ein Mix aus Rezensionen, aus Gedichten und Zitaten anderer Schriftsteller mit Kommentar, Berichten aus dem eigenen Leben und eigenen literarischen Texten. So kann man auch hier dem Entstehen literarischer Werke zusehen.</p>
<p>Ein wunderbarer Lyrik-Blog ist<a href="http://www.litblogs.net/helmut-schulze/" target="_blank"> Helmut Schulze</a>s Blog <a href="http://parallalie.twoday.net/" target="_blank">&#8220;Parallalie&#8221;</a>. Helmut Schulze lebt in Umbrien (Italien) und schreibt dort seine kleinen Texte.</p>
<p>Ein letzter Favorit von mir sind die <a href="http://niemandslandtage.twoday.net/" target="_blank">Niemandslandtage. &#8220;Nellas Niemandsland: Neurosen, Nettigkeiten und notwendiger Nonsens&#8221;</a> enth&#228;lt kurze Texte in einer wundersch&#246;nen Sprache, die einen besonderen Reiz nochmal daraus gewinnen, dass v&#246;llig unklar bleibt, ob sie fiktiv oder autobiographisch sind.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist das nicht alles und, wie gesagt, die Auswahl h&#246;chst subjektiv. Dennoch w&#228;re das mal ein Anfang f&#252;r alle Interessierten. Weitersuchen und -lesen kann man dann auch noch in den <a title="Sprachspielerin" href="http://www.sprachspielerin.de/links/" target="_blank">Links meiner Blogroll in der Rubrik &#8220;Literaturteil&#8221; (und teilweise auch im Feuilleton)</a>.</p>
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		<title>Feuchtgebiete von Charlotte Roche</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jul 2008 15:19:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ja, ich bin verdammt sp&#228;t dran. Und das liegt nicht am exzellenten Service von Amazon, von dessen Schnelligkeit ich immer wieder begeistert bin, sondern ausschlie&#223;lich an mir. Aber jetzt, nachdem meine Pr&#252;fungen endlich vorbei und sogar die Ergebnisse (mit denen ich mehr als zufrieden bin) schon da sind, habe ich ja ausreichend Zeit, auch mal [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, ich bin verdammt sp&#228;t dran. Und das liegt nicht am exzellenten Service von <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3866048726?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3866048726" target="_blank">Amazon</a>, von dessen Schnelligkeit ich immer wieder begeistert bin, sondern ausschlie&#223;lich an mir. Aber jetzt, nachdem meine <a title="Sprachspielerin" href="http://www.sprachspielerin.de/2008/06/28/sommerferien/" target="_blank">Pr&#252;fungen endlich vorbei</a> und sogar die Ergebnisse (mit denen ich mehr als zufrieden bin) schon da sind, habe ich ja ausreichend Zeit, auch mal besagte Zeit zu verplempern. Denn dass die Lekt&#252;re der <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3832180575?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832180575" target="_blank"><em>Feuchtgebiete</em> von Charlotte Roche</a> eher in den Bereich der &#8216;Zeitverschwendung&#8217; fallen w&#252;rde (und zus&#228;tzlich &#8216;Geldverschwendung&#8217;), war mir eigentlich von Anfang an klar. Aber: die Neugier obsiegte.</p>
<p>Um es kurz zu machen: obwohl das Buch auf jeder Seite nach Skandal schreit, war ich weder schockiert, noch f&#252;hlte ich mich provoziert, noch habe ich das Buch vor Ekel aus der Hand legen m&#252;ssen, wie einige berichten. Das mag an meiner recht hohen &#8216;Ekelgrenze&#8217; liegen, die schon lange durch Henry Millers <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499158205?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499158205" target="_blank"><em>Opus pistorum</em></a>, <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499128934?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499128934" target="_blank"><em>Das obsz&#246;ne Werk</em></a> Georges Batailles oder durch die <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3938478160?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3938478160" target="_blank">Werke</a> des <a title="amazon" href="http://www.amazon.de/gp/product/3866470479?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3866470479" target="_blank">Marquis de Sade</a> geschult ist (allesamt aber deutlich bessere B&#252;cher). Die Provokation ist also zumindest bei mir (<a href="http://xn--krmel-lva.com/?p=504" target="_blank">aber nicht nur bei mir</a>) missgl&#252;ckt. Das w&#228;re nicht weiter schlimm, h&#228;tte man nicht bei jedem Wort das Gef&#252;hl, dass dieses Buch unbedingt provozieren will! Die <em>Feuchtgebiete</em> sind aber auch kein erotisches Buch, kein &#8216;Porno&#8217; , wie <a title="taz" href="http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/schleimporno-gegen-hygienezwang/" target="_blank">manchmal geschrieben</a> wurde (obwohl es ab und an auch um Analsex, Bordells und Masturbation geht), zumindest nicht in dem Sinne, dass sie beim Lesen erregen w&#252;rden. Auch mit dieser Meinung bin ich nicht alleine.</p>
<p>Das Problem aber ist: das Buch ist noch nicht einmal besonders unterhaltsam. Okay, an ein, zwei Stellen musste ich schmunzeln, das war es aber auch schon. Und alles, was das Buch zu sagen hat, ist eigentlich auf den ersten zehn bis zwanzig Seiten schon gesagt. Danach, sp&#228;testens aber ab Seite 100 (und das Buch hat 220 Seiten) ist es wirklich nur noch langweilig. Wenn auf den ersten Seiten schon zehnmal das Wort &#8216;Arschficken&#8217; oder &#8216;Muschischleim&#8217; steht, dann finde ich es beim elften Mal auch nicht mehr aufregend, sondern fast schon normal. Wenn mir schon erz&#228;hlt wurde, dass die Protagonistin Helen Memel gerne besagten &#8216;Muschischleim&#8217;, ihre Popel und ihren Wundschorf aufisst, finde ich es wenig &#252;berraschend, dass sie dies auch mit dem Inhalt ausgedr&#252;ckter Pickel, den Ablagerungen an den Augen nach dem Schlafen und mit Ohrenschmalz tut. Habe ich irgendetwas vergessen? Nun, sie isst quasi alles, was ihr K&#246;rper so produziert und das wird eben in aller Ausf&#252;hrlichkeit aufgez&#228;hlt, variiert und breitgetreten. Nunja.</p>
<p>Ich habe leider aber auch noch mehr Probleme mit diesem Buch: ich finde diese Protagonistin Helen &#252;berhaupt nicht &#252;berzeugend. Nat&#252;rlich ist sie ohnehin eine Karikatur, aber niemals eine 18j&#228;hrige! Sie w&#252;nscht sich ein Kind und l&#228;sst sich mit 18 heimlich sterilisieren (den Arzt, der das macht, soll mir Charlotte Roche aber mal zeigen!). Sie zeichnet ihre Mutter als schreckliche, neurotische, hochgradig gest&#246;rte Person, ihren Vater nur als halbgest&#246;rt, will ihm aber eine &#8216;Wiedervereinigung&#8217; mit der Mutter (das ist ja ihr gro&#223;es Ziel!) antun? Sie macht die gr&#246;&#223;ten Schweinereien und verwendet dann dennoch m&#228;dchenhaft-kindliche Ausdr&#252;cke wie &#8216;Muschi&#8217; und &#8216;Kacka&#8217;? Verzeihung, aber da fielen mir auf Anhieb jede Menge &#8217;schmutzigere&#8217; Ausdr&#252;cke ein. Aber vielleicht ist das einfach der n&#246;tigen Variation geschuldet. Ich finde jedenfalls, das passt alles nicht, das geht weit &#252;ber einen &#8216;widerspr&#252;chlichen Charakter&#8217; hinaus, das ist einfach unglaubw&#252;rdig.</p>
<p>Und neben dem Essen s&#228;mtlicher K&#246;rperausscheidungen (was ja erstmal niemandem schadet) kommen wir noch zu den &#8216;ganz ekligen&#8217; Stellen: dass Helen im Rausch die vermischte Kotze von sich und ihrer Freundin trinkt, nunja, das wird durch die Drogen ja halbwegs entschuldigt. Aber dass sie ihre Tampons auf dem Boden &#246;ffentlicher Toiletten zwischenlagert und dort die Klobrillen offensichtlich mit Vorliebe erstmal mit ihren Schamlippen ab- und sauberwischt, um zu beweisen, dass sie sich trotzdem keinen Pilz einf&#228;ngt, Entschuldigung, das hat weder mit K&#246;rperbewusstsein, mit Kampf gegen den Hygienezwang, noch mit &#8216;Nat&#252;rlichkeit&#8217;, noch mit Coolness irgend etwas zu tun, das ist einfach nur noch Dummheit. Lachen kann ich dar&#252;ber leider auch nicht, vielleicht sollte man das.</p>
<p>Die Handlung: wie gesagt, da passiert nicht viel, es ist ein einziger innerer Monolog der Protagonistin, die im Krankenhaus liegt, &#252;ber Hygiene und deren Gegenteil nachdenkt, ein bisschen aus ihrem kurzen Leben erz&#228;hlt und unbedingt ihre Eltern wieder zusammenbringen will (was ich nicht begreifen kann, aber vielleicht liegt das daran, dass ich kein Scheidungskind bin). Nach einer Notoperation (die sie durch Selbstverletzung absichtlich herbeigef&#252;hrt hat, um noch eine l&#228;ngere Chance zur Elternwiedervereinigung an ihrem Krankenbett zu bekommen), gibt sie diesen Plan aber urpl&#246;tzlich und (f&#252;r mich) ohne erkennbaren Grund wieder auf. Die ganze Eltern-und-Scheidungskind-Handlung bleibt irgendwie seltsam undeutlich, oberfl&#228;chlich, aufgesetzt. Stattdessen verliebt sich Helen dann in den braven (und sehr blass gezeichneten) Krankenpfleger (dem sie einige ihrer Geschichten erz&#228;hlt und der ihre &#8216;Arschwunde&#8217; nach der H&#228;morrhoiden-OP fotografieren muss) und naja, das Ende, das ist wirklich die Kr&#246;nung, die Kr&#246;nung des Unpassenden und Unglaubw&#252;rdigen&#8230;</p>
<p>Die oft kritisierte Sprache finde ich nun gar nicht so schrecklich, sondern durchaus dem Thema angemessen, &#252;ber diese Themen in hochliterarischer Sprache unterrichtet zu werden, macht auch nicht unbedingt mehr Vergn&#252;gen. Die Sprache ist (vom Anlass ausgehend) weder besonders schlecht, noch besonders gut, aber auch Charlotte Roche selbst w&#252;rde h&#246;chstwahrscheinlich nicht behaupten, damit ein literarisches Meisterwerk vorgelegt zu haben. Was andere mit <a title="zeit" href="http://blog.zeit.de/sex/?p=603" target="_blank">&#8220;schlecht lektoriert&#8221; </a>meinen, verstehe ich aber nicht ganz&#8230; Unangenehm finde ich h&#246;chstens die Ausdrucksweise &#8220;auf Klo&#8221;, die dauernd benutzt wird.</p>
<p>Jetzt kommt aber erst das Schlimmste: Charlotte Roche behauptet ja in Interviews immer, sie habe in <em>Feuchtgebiete</em> gegen den Hygienewahn und Rasurzwang anschreiben wollen, gegen Intimwaschlotionen, parf&#252;mierte Slipeinlagen und das den Frauen antrainierte Gef&#252;hl, &#8216;untenrum&#8217; schmutzig zu sein und zu stinken. Man kann sich dar&#252;ber streiten, ob das heutzutage und au&#223;erhalb von Amerika &#252;berhaupt notwendig ist, aber das ist ja durchaus ein hehres Motiv, das man ihr als Bonus anrechnen sollte! Aber, wie auch schon <a title="zeit" href="http://blog.zeit.de/sex/?p=603" target="_blank">Sigrid Neudecker geschrieben</a> hat: die Protagonistin wettert zwar gegen Intimrasur und den angeblichen &#8216;Rasurzwang&#8217; ist selbst aber mit gro&#223;er Freude komplett rasiert (also au&#223;er am Kopf an allen verf&#252;gbaren K&#246;rperstellen). Macht das irgendeinen Sinn? Und ich m&#246;chte darauf noch aufbauen, denn das gr&#246;&#223;te Problem ist doch, dass dieses Buch sein ehrenwertes Anliegen &#8211; Sexualit&#228;t und K&#246;rper mit all seinen Begleiterscheinungen und Folgen als etwas nat&#252;rliches, normales darzustellen &#8211; selbst konterkariert. Denn dieses Buch spielt (und hier setze ich einfach einmal voraus: bewusst) mit dem Ekel, so dass es wiederum genau das erzeugt, wogegen es eigentlich vorgehen m&#246;chte: das Angewidertsein von K&#246;rperlichkeit und K&#246;rpers&#228;ften.</p>
<p><em>Feuchtgebiete</em> erzeugt keinen &#8216;heilsamen Schock&#8217;, nach dem die Leserin beruhigt ihre Slipeinlagen wegl&#228;sst (was ja wirklich ges&#252;nder ist!), sich ihrem Liebhaber nicht immer zwanghaft frisch geduscht, parf&#252;miert und komplettrasiert pr&#228;sentieren muss, sondern verst&#228;rkt doch noch den Ekel vor all dem, was da in unserem K&#246;rper vorgeht und aus ihm herauskommt! Es baut nicht wirklich Hemmungen ab, wenn von F&#252;rzen beim Sex und den braunen Flecken nach dem Analsex die Rede ist! Es f&#252;hrt nicht zu mehr &#8216;Nat&#252;rlichkeit&#8217; und Unverkrampftheit, wenn man vorgef&#252;hrt bekommt, wie jemand s&#228;mtliche K&#246;rperausscheidungen verspeist. Dieses Buch versagt meiner Meinung nach bei seinem eigenen Anliegen vollst&#228;ndig und das ist ja wohl der gr&#246;&#223;te Vorwurf, den man diesem Buch machen kann.</p>
<p>Meine Empfehlung also: mal in die Interviews <a title="youtube" href="http://www.youtube.com/results?search_query=charlotte+roche+feuchtgebiete&amp;search_type=" target="_blank">auf YouTube reinschaue</a>n (ich empfehle besonders <a title="youtube" href="http://www.youtube.com/watch?v=RGGQLv3DNII" target="_blank">das im NDR</a>, aber auch der <a title="youtube" href="http://www.youtube.com/watch?v=kEbJGkCimHY" target="_blank">2. Teil bei Kerner</a> ist unterhaltsam), denn hier ist Charlotte Roche deutlich besser, lustiger, lockerer und interessanter als in ihrem Buch. Und wer mag, kann auch die ersten zwanzig Seiten von Feuchtgebiete im Buchladen anlesen. Das reicht f&#252;r einen Eindruck, macht erstmal auch ein bisschen Spa&#223;, aber danach kommt wie gesagt nicht mehr viel. Und vielleicht z&#252;chte ich ja mal ein Avocadob&#228;umchen. Und einen kleinen Vorteil hat das Buch ja tats&#228;chlich auch, wie <a title="literaturcafe" href="http://www.literaturcafe.de/feuchtgebiete-fuer-alle/" target="_blank">im Literaturcaf&#233; zu lesen </a>steht: pl&#246;tzlich reden alle mal wieder &#252;ber ein Buch! Ansonsten k&#246;nnen einem die Feuchgebiete <a title="lesekreis" href="http://lesekreis.org/2008/04/07/denis-scheck-gehen-die-feuchtgebiete-am-a-vorbei/" target="_blank">wie Herrn Denis Scheck aber auch einfach am Arsch vorbeigehen</a>.</p>
<hr />Und hier noch ein Exkurs f&#252;r all jene, die an weiblichen Dingen &#8216;untenrum&#8217; n&#228;her interessiert sind, alle anderen <strong>&#252;berspringen das bitte!</strong></p>
<p>Was mich auch gest&#246;rt hat, ist, dass das Buch, was den &#8216;Muschischleim&#8217; betrifft, schlichtweg schlecht recherchiert ist. Das kann man der Protagonistin Helen anlasten, die sich eben ihre Gedanken macht, ohne besonders gut informiert zu sein, aber eigentlich erwarte ich schon etwas Genauigkeit von einem Buch, das sich derma&#223;en ausf&#252;hrlich mit weiblicher Anatomie und weiblichen Ausscheidungen besch&#228;ftigt. Helen redet n&#228;mlich statt von &#8216;Muschischleim&#8217; auch oft von ihrem &#8216;<a title="wiki" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Smegma" target="_blank">Smegma</a>&#8216;, wenn sie den <a title="wiki" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zervixschleim#Zervixschleim" target="_blank">Zervixschleim</a> meint und behauptet so, dieses Smegma k&#228;me nicht davon, dass man sich nicht ausreichend w&#228;scht. Im Lexikon (und bei Wikipedia) steht n&#228;mlich: &#8220;Mit blo&#223;em Auge sichtbare Ansammlungen von Smegma k&#246;nnen sich nur bei mangelnder Intimhygiene bilden&#8221; und dem widerspricht sie heftigst, mit dem Hinweis auf ihr beflecktes H&#246;schen (S.22-23).</p>
<p>Jetzt besteht da aber einfach ein Unterschied: der Zervixschleim flie&#223;t vom Geb&#228;rmutterhals (lat. Cervix) durch die Scheide nach drau&#223;en, zur Selbstreinigung, und das passiert tats&#228;chlich dauernd, mit oder ohne Waschen. Das ist der &#8216;Muschischleim&#8217;, den Helen in ihrer Unterhose findet oder ins Klo flie&#223;en sieht und der ganz normal ist. Und &#8216;Smegma&#8217; hei&#223;en eben tats&#228;chlich nur die dadurch entstehenden und nach einer Weile unangenehm riechenden Ablagerungen in den Hautfalten der Schamlippen und um die Klitoris und die haben eben wirklich mit &#8216;mangelnder Intimhygiene&#8217; zu tun, ganz anders als der Zervixschleim.</p>
<p>Helen erz&#228;hlt auch davon, wie sich die Konsistenz dieses Smegmas ver&#228;ndere, &#8220;mal wie H&#252;ttenk&#228;se, mal wie Oliven&#246;l, je nachdem, wie lange ich mich nicht gewaschen habe&#8221; (S.51). Auch das ist kompletter Unsinn. Wie gesagt kommt der Zervixschleim von innen, seine Konsistenz l&#228;sst sich durch Waschen nicht beeinflussen, sondern unterliegt vielmehr den Ver&#228;nderungen im weiblichen Zyklus, in dessen Lauf sich auch die Konsistenz des Schleims ver&#228;ndert. Soviel zur Genauigkeit von dem, womit sich dieses Buch haupts&#228;chlich besch&#228;ftigt.</p>
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		<title>Endlich! Pascoli!</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Apr 2008 17:21:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So, heute war endlich meine letzte schriftliche Pr&#252;fung. In zwei Wochen beginnt dann der Durchlauf durch die 11 m&#252;ndlichen, aber jetzt freue ich mich erst einmal, dass ich alles Schriftliche hinter mich gebracht habe. Heute zum Abschluss also die Klausur in Italienischer Literaturwissenschaft, eigentlich ja nun eines meiner liebsten &#8216;F&#228;cher&#8217; und ich habe die letzten [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>So, heute war endlich meine letzte schriftliche Pr&#252;fung. In zwei Wochen beginnt dann der Durchlauf durch die 11 m&#252;ndlichen, aber jetzt freue ich mich erst einmal, dass ich alles Schriftliche hinter mich gebracht habe. Heute zum Abschluss also die Klausur in Italienischer Literaturwissenschaft, eigentlich ja nun eines meiner liebsten &#8216;F&#228;cher&#8217; und ich habe die letzten Tage fast nur mit der Lekt&#252;re von Petrarca- und anderen Gedichten verbracht, was ja durchaus sehr nett und angenehm ist.</p>
<p>Nur: es kam mal wieder nichts von dem dran, was ich speziell vorbereitet hatte, gar nichts, keine Standardthemen, nur &quot;Abseitiges&quot;&#8230; Und: nicht mein geliebter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petrarca" target="_blank" title="Wiki">Francesco Petrarca</a>, kein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petrarkismus" target="_blank" title="Wiki">Petrarkismus</a>, keine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gaspara_Stampa" target="_blank" title="Wiki">Gaspara Stampa</a>, kein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Giambattista_Marino" target="_blank" title="Wiki">Giambattista Marino</a> oder ein sonstiges Barockgedicht, kein <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Giacomo_Leopardi">Giacomo Leopardi</a> und kein Drama von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pirandello" title="Wiki">Luigi Pirandello</a>. Naja, war zwar vergeblich, aber trotzdem nett, wieder einige Sonette von Petrarca zu lesen&#8230;</p>
<p>Stattdessen kam unter anderem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pascoli" target="_blank" title="Wiki">Giovanni Pascoli</a> dran, von dem ich bisher (also vor dem Lernen auf die Klausur) nicht allzu viel geh&#246;rt hatte: Lyriker der Jahrhundertwende, des &#196;sthetizismus, der Dekadenz (neben dem Zeitgenossen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_D%E2%80%99Annunzio" target="_blank" title="Wiki">D&#8217;Annunzio</a>), in Italien wohl vor allem durch Schulb&#252;cher sehr bekannt, au&#223;erhalb von Italien weniger. Es gab also folgendes Gedicht von Pascoli zu analysieren, das aus seiner Gedichtsammlung <em>Myricae</em> stammt:</p>
<blockquote><p>Il tuono</p>
<p><span lang="IT">E nella notte nera come il nulla,<br />a un tratto, col fragor d&#8217;arduo dirupo<br />che frana, il tuono rimbombò di schianto:<br />rimbombò, rimbalzò, rotolò cupo,<br />e tacque, e poi rimareggiò rinfranto,<br />e poi vanì. Soave allora un canto</span> <br /><span lang="IT"></span><span lang="IT">s&#8217;udì di madre, e il moto di una culla.</span></p>
</blockquote>
<p>Ein wirklich wunderbares, ein perfektes Gedicht und auch f&#252;r jene ein wenig zu genie&#223;en, die des Italienischen nicht m&#228;chtig sind, denn <em>tuono</em> hei&#223;t Donner und jetzt: bitte laut vorlesen! Man h&#246;rt den Donner ja f&#246;rmlich, besonders sein Anrollen in <span lang="IT">&quot;<em>rimbombò, rimbalzò, rotolò</em>&quot;, das dann rhythmisch hart auf das &quot;<em>cupo</em>&quot; (= dumpf) auftrifft (Betonungen auf dem ò und dem direkt folgenden u von <em>cupo</em>). Und dann schon der erste Vers (<em>E nella notte nera come il nulla</em>), so weich, so sanft mit diesen n&#8217;s und l&#8217;s, den Alliterationen und dem regelm&#228;&#223;ig alternierend betonten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Endecasillabo" target="_blank" title="Wiki">Endecasillabo</a>, auch das bitte laut lesen! &#220;bersetzt klingt das viel weniger sch&#246;n (&quot;Und in der Nacht, schwarz wie das Nichts&quot;).</span></p>
<p><span lang="IT">Aber es war ja auch keine &#220;bersetzung, sondern &#8216;blo&#223;&#8217; eine Analyse bzw. Interpretation verlangt und in diesem Gedicht sind Inhalt (in der Nacht ert&#246;nt pl&#246;tzlich ein Donnern und verhallt dann), Reimform (v.a. der das ganze Gedicht umarmende Reim von <em>nulla</em> in V.1 und <em>culla</em> in V.7), Rhythmik (von ruhig alternierend zu unregelm&#228;&#223;ig zur&#252;ck zu ruhig) und Lautung (besonders die dunklen o&#8217;s und die r&#8217;s im zentralen 4. Vers, inhaltlich der H&#246;hepunkt des Donners und des Gedichts) wirklich perfekt aufeinander abgestimmt. Eine wirklich geniale, symmetrische und zugleich zyklische Form, bei der einfach alles stimmt und dazu ein lautmalerisches Wunderwerk!</span></p>
<p><span lang="IT">Und dann die letzten beiden Zeilen, wenn der Donner verhallt ist (<em>vanì</em>), dieser neue, zweite Satz, der mit <em>soave</em> (= s&#252;&#223;, lieblich) einsetzt, was den Gesang (<em>canto</em>) einer Mutter bezeichnet, den man jetzt nach dem Donner h&#246;rt und das Ger&#228;usch der Bewegung einer Wiege (<em>culla</em>), diese letzten Zeilen, die rhythmisch, lautlich und inhaltlich wieder zur Ruhe zur&#252;ckkehren, die regelm&#228;&#223;ige Bewegung der Wiege im Takt des m&#252;tterlichen Gesangs h&#246;rbar machen und nach dem naturgewaltigen Ereignis eine famili&#228;re Idylle skizzieren, nur anzitieren, die aber so sehr zu ber&#252;hren wissen!</span></p>
<p><span lang="IT">Ihr seht: ich bin begeistert (und das obwohl ich eine Klausur dar&#252;ber schreiben musste), ein wirklich gro&#223;artiges Gedicht! Auch wenn es nicht einfach war (einige Worte waren ohne W&#246;rterbuch dann doch recht schwierig) und mir auch die Zusatzfragen (nach dem Vergleich mit anderen Naturgedichten und der Literaturgeschichte) etwas zu schaffen machten, bin ich dennoch sehr froh, dieses Gedicht kennengelernt und so genau analysiert zu haben, denn das hat sich wirklich gelohnt. Und jetzt bin ich kaputt, aber gl&#252;cklich!<br /></span></p>
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		<title>Simone und so</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jan 2008 17:39:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es begann nicht mit ihr, sie kam sp&#228;ter, es begann mit Sartre (nat&#252;rlich). Jean-Paul Sartres B&#252;cher standen im B&#252;cherschrank meiner Eltern und ich begann mit 15, sie zu lesen. Statt in den Ballettunterricht zu gehen, setzte ich mich also fortan in Caf&#233;s, las Sartre und trank meinen ersten Kaffee, der mir scheu&#223;lich schmeckte, aber das [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>
Es begann nicht mit ihr, sie kam sp&#228;ter, es begann mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sartre" target="_blank" title="Wiki">Sartre</a> (nat&#252;rlich). Jean-Paul Sartres B&#252;cher standen im B&#252;cherschrank meiner Eltern und ich begann mit 15, sie zu lesen. Statt in den Ballettunterricht zu gehen, setzte ich mich also fortan in Caf&#233;s, las Sartre und trank meinen ersten Kaffee, der mir scheu&#223;lich schmeckte, aber das geh&#246;rte dazu, undenkbar war es, Sarte ohne Kaffee zu lesen. Ich las die <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499158132?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499158132"><em>Zeit der Reife</em></a> und den <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/349915935X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=349915935X"><em>Aufschub</em></a>, die ersten beiden B&#228;nde der Tetralogie <em>&#8216;Die Wege der Freiheit&#8217;</em>, schon der Titel eine einzige Verlockung. Und eine <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499500876?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499500876">Sartre-Biographie</a> stand auch noch im elterlichen B&#252;cherschrank (sie stammte aus einer Zeit, als er noch nicht gestorben war).</p>
<p>Sp&#228;testens da muss mir auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Simone_de_Beauvoir" target="_blank" title="Wiki">Simone de Beauvoir</a> begegnet sein (mit vollem Namen &#252;brigens Simone Lucie-Ernestine-Marie-Bertrand de Beauvoir), die Frau an seiner Seite, die heute 100. Geburtstag h&#228;tte, l&#228;ge sie nicht in Paris begraben, gemeinsam in einem Grab mit Jean-Paul auf dem <a target="_blank" title="Wiki" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cimeti%C3%A8re_du_Montparnasse">Cimeti&#232;re du Montparnasse</a> (den ich nat&#252;rlich sp&#228;ter einmal besuchen musste).</p>
<p>Wenn ich mit 15, mit 16, 17, 18 irgendein Vorbild hatte, dann war sie es. Vielleicht w&#228;re ich lieber wie Sartre selbst &#8216;gewesen&#8217;, dessen B&#252;cher ich eines nach dem anderen verschlang, den <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499105810?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499105810" target="_blank" title="Amazon">Ekel</a></em>, die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499155176?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499155176" target="_blank" title="Amazon">Erz&#228;hlungen</a>, die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499158388?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499158388" target="_blank" title="Amazon">Dramen</a>, die <em><a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499110008?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499110008">W&#246;rter</a></em> (wobei ich wahrscheinlich nur die H&#228;lfte verstand, nehme ich heute an), dessen <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499133164?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499133164" target="_blank" title="Amazon"><em>Das Sein und das Nichts</em></a> ich zumindest zu lesen versuchte und dessen B&#252;cher ich schon wegen ihres rot-schwarzen Rowohlt-Einbandes liebte und andauernd mit mir herumschleppte. Aber nachdem er als Mann doch nicht so sehr als Vorbild taugte, wollte ich eben werden wie Simone und las auch ihre B&#252;cher, ihre <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499110660?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499110660">Autobiographien</a>, <em><a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499238306?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499238306">Sie kam und blieb</a></em>, <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499113023?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499113023"><em>Alle Menschen sind sterblich</em></a>, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499107619?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499107619" target="_blank" title="Amazon"><em>Die Mandarins von Paris</em></a> und kaufte mir irgendwann <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499227851?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499227851"><em>Das andere Geschlecht</em></a> (&#252;ber dessen Beginn ich dann aber doch nicht hinauskam).</p>
<p>Ich wollte gerne leben wie sie und eine Beziehung f&#252;hren wie die zwischen Sartre und Beauvoir, diese unbedingte, unverbr&#252;chliche, &#8216;notwendige&#8217; Bindung zwischen den beiden, die sich ein Leben lang gegenseitig siezten und in getrennten Wohnungen oder Hotelzimmern lebten, ohne Kinder und ohne die Einschr&#228;nkungen der Monogamie, frei. Ich wollte gerne so ein freies Leben f&#252;r Literatur und Philosophie. Ich beneidete Beauvoir um die Beziehung zu Sartre, um den Pakt und ich beneidete sie um die Freiheit, sich <em>dennoch</em> auch andere Liebespartner genommen zu haben, M&#228;nner wie Frauen. Ich lernte, dass ihre gro&#223;e Liebe <a title="Amazon" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Algren">Nelson Algren</a> hie&#223;, ein amerikanischer Schriftsteller und dass sie Sartre oder eben dem Pakt zu Liebe dennoch auf das Leben an Algrens Seite verzichtete.</p>
<p>Ich lernte, dass ihr Kosename Biber war (frz. castor) und dass sie manchmal durchaus unter Sartres anderen Liebschaften litt (was ich aber nicht wie andere darauf zur&#252;ckf&#252;hrte, dass sie eben eine Frau war und dass dies bei Frauen so ist, ich halte dies nicht f&#252;r &#8216;weiblich&#8217;!). Ich las das Buch von Bianca Lamblin (<em><a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499135213?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499135213">Memoiren eines get&#228;uschten M&#228;dchens</a></em>) und lernte, dass Beauvoir manche ihrer Philosophiesch&#252;lerinnen verf&#252;hrte und diese dann teilweise wieder mit Sartre teilte und dass dies f&#252;r die &#8216;Dritten&#8217; im Bunde sicher nicht immer angenehm war. Ich lernte auch, dass Sartre offenbar ein sehr schlechter Liebhaber war und sp&#228;testens da beneidete ich Beauvoir etwas weniger.</p>
<p>Im Studium lernte ich wieder, welche Rolle Beauvoir f&#252;r den Feminismus und die Gender-Studies spielte und welche Position sie hier in den Kontroversen einnahm. Sie schrieb in <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499227851?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499227851" target="_blank" title="Amazon">Das andere Geschlecht</a></em> nicht nur den Satz &quot;Man wird nicht als Frau geboren, man wird es&quot; und brachte damit die Rolle der weiblichen Sozialisation auf den Punkt, sie nahm auch an, dass Frauen und M&#228;nner ansonsten gleich sind, gleich sein k&#246;nnen, dass es keine angeborenen Unterschiede g&#228;be. Damit machte sie sich nicht nur M&#228;nner zum Feind, sondern auch jene Frauen und Feministinnen, die auf einer grunds&#228;tzlichen Verschiedenheit von M&#228;nnern und Frauen beharren, die &#8216;EssenzialistInnen&#8217; (und die dann damit entweder versuchen, Frauen ab- oder aber aufzuwerten als bessere Menschen).</p>
<p>Ich war immer Beauvoirs Meinung. Dass Frauen weder besser noch schlechter sind und kaum anders. Und freute mich dar&#252;ber, wie sie die Einteilung von Menschen in M&#228;nner und Frauen kritisierte und die Konstruktion von Mensch=Mann und Frau=anders:</p>
<blockquote><p>Die Menschheit ist m&#228;nnlich und der Mann definiert die Frau nicht an sich, sondern in Bezug auf sich. [...] Sie wird bestimmt und unterschieden mit Bezug auf den Mann, dieser aber nicht mit Bezug auf sie; sie ist das Unwesentliche angesichts des Wesentlichen. Er ist das Subjekt, er ist das Absolute: sie ist das Andere!</p>
<p><font size="1">(Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht, Reinbek: Rowohlt 1968, S.10-11)</font></p>
</blockquote>
<p>Ich freute mich, wie sehr sie immer darauf beharrte, einfach ein Mensch zu sein, so dass sie sagen konnte: &quot;Ich hielt mich nicht f&#252;r eine ‚Frau&#8217;; ich war <em>ich!&quot;. </em>Und als ich das Grab von Sartre und Beauvoir besuchte, da nickte ich ihm, der mich so gepr&#228;gt hat, im Schatten von dessen gr&#246;&#223;erer Bekanntheit sie immer stand, kurz zu, aber den Zettel mit dem schnell notierten Dank legte ich auf ihre Seite des Grabs.</p>
<p><em></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><u>Linktips:</u></p>
<ul>
<li>Biographie Beauvoirs <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/BeauvoirSimoneDe/index.html" target="_blank" title="dhm">hier</a> oder <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/simone-de-beauvoir/" target="_blank" title="fembio">hier</a> (mit weiteren Links und ausf&#252;hrlicher Bibliographie)</li>
<li>Artikel von <span class="fliesstext">Hannelore Schlaffer aus der SZ auf <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/415119" target="_blank" title="jetzt">jetzt.de</a></span></li>
<li><span class="fliesstext"><a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/415119" target="_blank" title="jetzt"></a>Artikel von </span>Ingrid Galster in der <a title="NZZ" target="_blank" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/der_existenzialismus_ist_ein_feminismus_1.645033.html">NZZ</a> <font size="1">(via <a title="Lotrees" target="_blank" href="http://www.bublo.de/2008/01/10/links-geht-es-weiter-4/">Lotrees</a>)</font></li>
<li><font size="1"></font>Artikel von Barbara Vinken in der <a href="http://www.taz.de/nc/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&amp;dig=2008%2F01%2F09%2Fa0132&amp;src=GI&amp;cHash=fcfccc6029" target="_blank" title="taz">taz</a></li>
<li>Artikel von Christine Pries in der <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1268743" target="_blank" title="FR">FR</a></li>
<li>Artikel von Julia Foss in der <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E72A3DA1F2B8E4D3DB1ACDD755A26CFDF~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" title="FAZ">FAZ</a></li>
<li>Artikel von Ursula M&#228;rz zu Simone de Beauvoirs Briefen an Nelson Algren in der <a href="http://www.zeit.de/1999/36/199936.l-beauvoir_.xml?page=all" target="_blank" title="Zeit">Zeit</a></li>
<li>Interessante Artikel von Alice Schwarzer, die mit Simone de Beauvoir befreundet war: <a title="Emma" target="_blank" href="http://www.emma.de/1240.html">hier</a> und <a title="Emma" target="_blank" href="http://www.emma.de/die_eine_2_1997.html">hier</a> (und <a href="http://www.arte.tv/de/1869104.html" target="_blank" title="Arte">hier</a> auch noch ein Interview mit Alice Schwarzer zum Thema)</li>
<li><a href="http://www.laif.de/de/article/20581.html" target="_blank" title="laif">Fotos</a> von Simone de Beauvoir.</li>
<li>Beauvoir-Seite von <a title="Standard" target="_blank" href="http://diestandard.at/?url=/?ressort=beauvoir">dieStandard</a>.</li>
<li>Zum erst jetzt aufgetauchten und von <a href="http://tempsreel.nouvelobs.com/actualites/20080105.OBS3604/" target="_blank"><em>Le Nouvel Observateur</em></a> ver&#246;ffentlichten Nacktfoto Beauvoirs: <a title="Lesekreis" target="_blank" href="http://lesekreis.org/2008/01/07/frauenrechtlerinnen-kritisieren-nacktfoto-von-simone-de-beauvoir/">http://lesekreis.org</a> (das Foto gibt es <a target="_blank" href="http://www.rue89.com/2008/01/07/le-nu-de-beauvoir-excite-la-blogosphere">hier</a> gr&#246;&#223;er/besser)</li>
<li>zum Nackfoto jetzt auch ein Artikel in der <a href="http://www.zeit.de/online/2008/03/Skandal-Beauvoir?page=all" target="_blank" title="Zeit">Zeit</a> von Joachim Fritz-Vannahme, der unter dem Titel &#8216;Der skandal&#246;se Akt&#8217; &#252;ber die Entstehung des Bildes und die Retusche durch den Nouvel Observateur berichtet</li>
</ul>
<p><u>Filmtip:</u> <a title="Arte" target="_blank" href="http://www.arte.tv/de/1866288.html"><em>Simone de Beauvoir, eine moderne Frau</em></a>, Dokumentarfilm, Frankreich 2007, <span class="ArticleTexte"><span class="arte-styles--FicheTechnique">Regie: Dominique Gros, </span></span>am 10.01.08 um 22.40 Uhr auf <a href="http://www.arte.tv/de/kunst-musik/Simone-deBeauvoir/1865856.html" target="_blank" title="Arte">arte</a>.</p>
<p><u>Buchtip:</u> Hans-Martin Sch&#246;nherr-Mann: <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3423246480?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423246480"><em>Simone de Beauvoir und das andere Geschlecht</em></a><span class="ArticleTexte">, dtv 2007 (Sch&#246;nherr-Mann ist auch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406511384?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406511384" target="_blank" title="Amazon">Sartre-Spezialist</a> und Professor f&#252;r politische Philosophie an der M&#252;nchner LMU).<br /></span></p>
<p><span class="ArticleTexte"></span>Mehr Buchtips <a href="http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Buecher.php?id=13041" target="_blank" title="aviva">hier</a>.</p>
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<p>No related posts.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Krausser III</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 13:01:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Germanistisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem ich hier schon &#252;ber die erste und zweite Vorlesung des Schriftstellers Helmut Krausser zu Pathos und Pr&#228;zision im Rahmen der Poetikprofessur der LMU M&#252;nchen berichtet habe, nun zur dritten Lesung am 06.12.2007, die diesmal nicht in einem H&#246;rsaal der Ludwig Maximilians Universit&#228;t sondern im M&#252;nchner Literaturhaus stattfand.
Krausser wollte diesmal vielleicht noch etwas arroganter und [...]


No related posts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
Nachdem ich hier schon &#252;ber die <a title="Sprachspielerin" target="_blank" href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/09/krausser-i/">erste</a> und <a title="Sprachspielerin" target="_blank" href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/30/krausser-ii/">zweite</a> Vorlesung des Schriftstellers Helmut Krausser zu <em>Pathos und Pr&#228;zision</em> im Rahmen der <a title="LMU" target="_blank" href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/index.htm">Poetikprofessur der LMU</a> M&#252;nchen berichtet habe, nun zur <a href="http://www.literaturhaus-muenchen.de/programm/veranstaltung.asp?ID=4602" target="_blank" title="Literaturhaus">dritten Lesung</a> am 06.12.2007, die diesmal nicht in einem H&#246;rsaal der Ludwig Maximilians Universit&#228;t sondern im <a title="Literaturhaus" target="_blank" href="http://www.literaturhaus-muenchen.de/">M&#252;nchner Literaturhaus</a> stattfand.</p>
<p>Krausser wollte diesmal vielleicht noch etwas arroganter und &#252;berheblicher erscheinen als die letzten Male, aber nat&#252;rlich nicht ohne Selbstironie und seine Lesung m&#228;anderte wieder ziemlich unstrukturiert, aber anekdotisch, unterhaltsam um ein Thema, auf das er immer wieder zur&#252;ckkam, es von allen Seiten attackierend, das er diesmal aber immerhin klar benannte: &quot;Gibt es das gute Buch?&quot;</p>
<p>Er selbst t&#228;te sich schwer, &#252;ber Poetik zu reden, denn er wechsle die seine bei jedem neuen Buch aus (und sie ver&#228;ndere sich auch, je mehr man sich dem Ziel eines Buches n&#228;here) und diese Pose &#252;bersteigert Krausser noch, wenn er sp&#228;ter behauptet, von Literatur &#252;berhaupt nichts zu verstehen. F&#252;r eine Poetik-Vorlesung sei er somit v&#246;llig ungeeignet und &#252;berhaupt bek&#228;me er auch zu wenig Geld daf&#252;r. Schon gar viel zu wenig Geld, um uns tats&#228;chlich etwas &#252;ber Literatur beizubringen, denn die Konkurrenz auf dem Buchmarkt sei so schon hart genug.</p>
<p>Um diesen Buchmarkt, seine Unw&#228;gbar- und Ungerechtigkeiten und die Unwissenheit und Ignoranz mancher Kritiker geht es bei dieser Vorlesung sehr oft. Und au&#223;erdem nat&#252;rlich um Perfektion, die ja eigentlich dazu f&#252;hren m&#252;sse, dass ein Buch einfach von allen (also auch allen Kritikern) gut gefunden w&#252;rde. Krausser stellt aber schnell klar, dass es nur eine &#8217;subjektive Perfektion&#8217; geben k&#246;nne, irgendjemand f&#228;nde ja immer irgendeinen Mangel.</p>
<p>Der einzige Mensch, sagt Krausser, der Wesentliches zu einem Text zu sagen hat, sei dessen Autor. Denn niemand kenne den Text so gut wie er (womit er freilich Recht hat) und nicht jeder Text wisse mehr als sein Autor (womit ich mir trotzdem nicht sicher bin). Dass Autoren von Literatur so viel verst&#252;nden wie V&#246;gel von der <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ornithologie">Ornithologie</a>, das sei Unsinn, aber mit System. Der Autor wisse die Wahrheit &#252;ber seinen Text, aber freilich m&#252;sse er sie nicht sagen, er k&#246;nne l&#252;gen.</p>
<p>Jedenfalls sollten wir deshalb nicht auf unsere Professoren h&#246;ren, die ja bekanntlich das Gegenteil von Krausser behaupten (sondern auf die Autoren), denn alle anderen, die &#252;ber Texte redeten, seien nur Parasiten, die Literaturwissenschaft eine ganze Wissenschaft der Textaneignung. Das nennt man dann wohl (zusammen mit dem Vorwurf, zu wenig Geld zu bekommen) Gastgeber-Beschimpfung.</p>
<p>Diesmal bringt Helmut Krausser &#8211; immer noch nachdenkend &#252;ber den perfekten Text &#8211; eigene Cover-Versionen bekannter Gedichte von Bertolt Brecht, Rainer Maria Rilke und Conrad Ferdinand Meyer, sozusagen &#8216;Updates&#8217;, die unter anderem die sprachliche Aktualisierung im Sinn haben. An Friedrich H&#246;lderlins <em>H&#228;lfte des Lebens</em> traut er sich dann doch nicht, die &#8216;Verbesserungen&#8217; w&#252;rden hier zu marginal ausfallen. Christian Morgensterns <a title="Morgenstern" target="_blank" href="http://www.textlog.de/17396.html"><em>Das &#228;sthetische Wiesel</em></a> schreibt er dagegen ganz um, nur die Anekdote beibehaltend, denn an sich sei auch dieses Gedicht perfekt.</p>
<p> Perfekt sei auch der Satz von Charles Bukowski &quot;Da waren M&#228;nner, die taten Dinge&quot;, zumindest im Kontext betrachtet und von sich selbst findet er auch ein, zwei perfekte S&#228;tze und zumindest ein perfektes Gedicht, das er selbst jahrelang f&#252;r defizit&#228;r hielt (es steht zusammen mit anderen perfekten Gedichten in <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179909?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179909" target="_blank" title="Amazon">Plasma</a>). Krausser meint, dass der Mythos der Perfektion so manchem Schriftsteller posthum auch peinlich sein k&#246;nnte und er legt Franz Kafkas ersten Satz aus <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3938484772?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3938484772" target="_blank" title="Amazon"><em>Der Prozess</em></a> auseinander, er hat viele verbesserte Varianten daf&#252;r: &quot;Jemand mu&#223;te Josef K. verleumdet haben, denn ohne da&#223; er etwas B&#246;ses getan h&#228;tte, wurde er eines Morgens verhaftet.&quot; So wie der Original-Satz von Kafka dast&#252;nde, k&#246;nne man sich den Rest des Romans jedenfalls genaugenommen auch sparen.</p>
<p>Warum aber strebt ein Autor &#252;berhaupt nach Perfektion, wenn sie nur subjektiv und zeitabh&#228;ngig ist, warum vertut man Zeit, in der man Texte schreiben k&#246;nnte, deren M&#228;ngel den meisten Lesern gar nicht auffallen w&#252;rden? Kraussers Antwort ist schlicht: Die Liebe zum Wort. Diese habe Gemeinsamkeiten mit der Liebe von Eltern zu ihren Kindern, Zuneigung und Eitelkeit sei hier vermischt. Trotzdem sei aber die Legende vom ersten Satz, der unbedingt sitzen m&#252;sse, Quatsch. Der beste Einstieg n&#252;tze nichts, wenn der Text schlecht sei, wenn der Text aber gut sei, verzeihe man auch den m&#228;&#223;igen ersten Satz. Perfektion im Roman sei ohnehin kaum jemals erreichbar, irgendwo sei immer ein kleiner Fehler, Perfektion im Gedicht aber hin und wieder schon. </p>
<p>Krausser f&#252;hrt selbst die Autoren an, die ihn gepr&#228;gt h&#228;tten, da waren als erste Lekt&#252;re die griechischen Heldensagen, dann folgte Karl May (den er aus der Schulbibliothek stahl), mit 9 Charles Dickens, mit 10 Ephraim Kishon und sp&#228;ter Max Frisch, Bert Brecht, Friedrich Nietzsche, Arthur Schopenhauer, Franz Kafka, Ernest Hemingway, Charles Bukowski, Louis-Ferdinand C&#233;line, Knut Hamsun, Ernst J&#252;nger, Fjodor Dostojewski, Gustave Flaubert, Robert Gernhardt&#8230; (die Liste ist sicher nicht vollst&#228;ndig).</p>
<p>Jeder Autor werde so beeinflusst von anderen Autoren und er mixe die verschiedenen Techniken, die er sich dort abschaue, bis das Ergebnis origin&#228;r und originell auf den Leser wirke. Ein Autor, der ein Werk vorlegen wolle, der m&#252;sse sein erstes Buch auf jeden Fall vor 30 ver&#246;ffentlichen. Was man dazu brauche, sei vor allem ein &#252;bersteigertes Selbstbewusstsein, etwas Talent und ein gro&#223;er Wille, denn nur aus Gr&#246;&#223;enwahn k&#246;nne Gr&#246;&#223;e entstehen. Sei das erste Buch auch immer fehlerbehaftet, so k&#246;nne man aus einem gedruckten Buch doch viel mehr lernen, als aus einem unabgeschlossenen Manuskript, das zweite Buch k&#246;nne dann besser werden.&nbsp;</p>
<p>Trotzdem besch&#228;ftigt Krausser die Frage weiterhin, warum manche schlechten B&#252;cher Preise bek&#228;men und manche guten B&#252;cher keine Beachtung f&#228;nden (und er bringt als Beispiel den beinahe vergessenen <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedo_Lampe">Friedo Lampe</a>). Es sei ja so, dass jedes gute Buch auch Verrisse, teils b&#246;sartige Verrisse bekomme, au&#223;er das Buch sei so harmlos, dass es nicht einmal f&#228;hig sei, noch den kleinsten Hass zu erregen. Insgesamt sei das aber ein Gl&#252;cksspiel (vor allem bei der Vergabe von Literaturpreisen) und Krausser bescheinigt der Literaturkritik ein zwangsl&#228;ufiges Versagen. Literaturkritik sei am Ende l&#228;cherlich und auch wenn sie gut geschrieben sei, bliebe sie doch nur Kundenservice und Verbraucherinformation.</p>
<p>Ihm pers&#246;nlich gehe Literaturkritik auf den Sack (nicht nur wegen der beiden Totalverrisse seines Romans <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179887?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179887" target="_blank" title="Amazon">Eros</a></em> in der SZ und FAZ, die ihn viel Geld gekostet h&#228;tten). Die Leserbewertungen bei Amazon seien aber dasselbe in gr&#252;n hinter den Ohren, nur oft noch viel bl&#246;der. F&#252;r ihn sei Literatur eine heilige Sache, aber als Autor d&#252;rfe man die Literaturkritik auf keinen Fall ernst nehmen. Das Problem sei auch, dass man sich nicht wehren k&#246;nne, selbst wenn Dinge falsch dargestellt w&#252;rden, ein Leserbrief sei jedenfalls nicht das Mittel der Wahl.</p>
<p>Existiere es denn wirklich nicht, das rundum gute Buch, das jeden Rezensenten an die Wand wirft?, fragt Krausser. Nein, antwortet er sich selbst, denn die Lekt&#252;re eines Buches sei von vielen Dingen abh&#228;ngig, u.a. von der Bildung, der Lebenslage, der Stimmung, der Aufmerksamkeit, der seelischen Befindlichkeiten, es k&#246;nne also gar kein allseits gutes Buch geben. Es gebe schlicht unterschiedliche Bed&#252;rfnisse, verschiedene Anforderungen an ein Buch, von Person zu Person, Jahr zu Jahr wechselnd (z.B. k&#246;nne man ein Buch mit 16 grandios finden, es aber sp&#228;ter bel&#228;cheln).</p>
<p>Das Problem sei nur, dass Rezensenten, diese Halbtagsdiktatoren, sich wie beleidigte Kinder ben&#228;hmen, die ihre Meinung hinausposaunten, als g&#228;lte es einen Kreuzzug zu f&#252;hren und dass sie davon ausgingen, jedes Buch sei genau f&#252;r sie geschrieben worden. Ein <a href="http://www.amazon.de/gp/product/345806785X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=345806785X" target="_blank" title="Amazon">Literaturkanon</a> wie der <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458067809?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3458067809" target="_blank" title="Amazon">Marcel</a> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458066780?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3458066780" target="_blank" title="Amazon">Reich</a>-<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3458067604?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3458067604" target="_blank" title="Amazon">Ranickis</a> sei nur deshalb bewundernswert, weil es ein Individuum geschafft habe, sich vor der Zeit aufzubrezeln.</p>
<p>Sehr angetan ist Helmut Krausser von <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499241005?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499241005">Daniel Kehlmann</a>, hier tr&#228;fen sich ausnahmsweise einmal wieder Tiefe und Sch&#246;nheit mit Lesbarkeit oder sogar Unterhaltsamkeit. Statt daraus zu folgern, Kehlmann sei nur ein &#8216;Unterhaltungsautor&#8217;, sei es doch eigentlich logisch und sehr erfreulich, wenn sich endlich mal ein gutes Buch auch gut verkaufe.</p>
<p>Kraussers Blick auf die Zukunft: eine neue Romantik, ein neuer Idealismus, ein Sturm-und-Drang des Inneren deute sich zumindest an (auch wenn eine neue Epoche sicher neue Benennungen hervorbr&#228;chte). Die Behauptung, nach Joyce k&#246;nne man nicht mehr auktorial schreiben, stamme von Autoren, die weder auktorial nocht sonst wie schreiben k&#246;nnten. Ein Autor k&#246;nne niemals etwas f&#252;r die Nachfolgenden einengen, die einfachste Definition von Kunst sei schlie&#223;lich immer noch &#8216;Bereicherung der Welt, Erweiterung des Horizonts&#8217;, das st&#252;nde ganz im Gegensatz zu einer Einschr&#228;nkung.</p>
<p>Den Willen zur Originalit&#228;t, den Krausser in den letzten 50 Jahren in der deutschen Literatur walten sieht, h&#228;lt er f&#252;r hemmend, die Ergebnisse f&#252;r verkrampft, man solle aus der Tradition sch&#246;pfen, aus ihr ins Eigene einf&#252;gen, sich aber nicht beschr&#228;nken und in erster Linie solle man das Publikum unterhalten, Literatur sei schlichtweg ein Teil der Unterhaltungsindustrie. Kein Autor, sei er noch so ein gro&#223;es Genie, sei unabdingbar und die Welt k&#228;me selbst ohne H&#246;lderlin irgendwie klar (Krausser k&#246;nnte auf seiner Meinung nach mittelm&#228;&#223;ige Autoren wie Wolf Biermann, Heinrich B&#246;ll oder Stefan George aber gut verzichten). Das Volk sei heute nicht d&#252;mmer als fr&#252;her, vielmehr lebten wir in einer gebildeten Zeit, man solle aufh&#246;ren zu jammern und in Weimar h&#228;tte es auch nicht mehr oder bessere Schriftsteller gegeben, die h&#228;tten sich nur besser zu vermarkten gewusst.</p>
<p>Sensiblen Kreaturen wie sich selbst rate er aber von der Besch&#228;ftigung mit Kunst strikt ab. Er selbst sei eine schizophrene Pers&#246;nlichkeit, mal mild, mal w&#252;tend, er verbiete sich nichts, denn sonst w&#252;rde er &#8216;mit Kondom denken&#8217;. Andererseits sei er mit sich selbst im Reinen, er habe in seinen B&#252;chern nichts wider besseres Wissen verschwiegen, aber er k&#246;nne ganz gut l&#252;gen.</p>
<p>Am Ende der Vorlesung spricht er also klar an, was man die ganze Zeit &#252;ber als Eindruck mitnehmen konnte: Krausser bezieht gerne Position, baut sie gern gro&#223; auf und stellt sich mit Freude quer, gleichzeitig blitzt aber immer durch: vielleicht meine ich das auch gar nicht so, vielleicht posiere ich nur, vielleicht l&#252;ge ich, vielleicht ist es aber auch wirklich meine heiligste &#220;berzeugung, man kann sich nicht sicher sein mit ihm und das ist sehr spannend. Schade, dass dies die letzte Lesung war.</p>
<p>Die <a title="LMU" target="_blank" href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/tagung.htm">Tagung</a> bzw. das Kolloquium <em>Helmut Krausser und die Gegenwartsliteratur der Romantik</em>, das ebenfalls im Literaturhaus M&#252;nchen stattfindet, geht noch bis zum Samstag, dem 08.12.2007, das Programm findet sich <a title="LMU" target="_blank" href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/Bilder/tagungsprogramm.pdf">hier</a> oder <a href="http://www.literaturhaus-muenchen.de/programm/reihe.asp?ID=232" target="_blank" title="Literaturhaus">hier</a>. </p>
<p>Hier geht es nochmal zu <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/09/krausser-i/" target="_blank" title="Sprachspielerin">Krausser I</a> und <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/30/krausser-ii/" target="_blank" title="Sprachspielerin">Krausser II</a>.</p>
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		<title>Krausser II</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Nov 2007 13:40:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Germanistisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem ich &#252;ber Helmut Kraussers erste Lesung ja schon sehr erfreut war (wie ich hier auch berichtet habe), fand am 29.11.2007 also die zweite der drei Lesungen im Rahmen der Poetikprofessur an der Ludwig Maximilians Universit&#228;t M&#252;nchen statt. Die dritte Lesung wird dann n&#228;chste Woche, am 6.12.2007, im Literaturhaus M&#252;nchen sein.
Obwohl der M&#252;nchner Poetikprofessor Krausser [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>
Nachdem ich &#252;ber <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/krausser.htm" target="_blank" title="LMU">Helmut Krausser</a>s erste Lesung ja schon sehr erfreut war (wie ich <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/09/krausser-i/" target="_blank" title="Sprachspielerin">hier</a> auch berichtet habe), fand am 29.11.2007 also die zweite der drei Lesungen im Rahmen der <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/index.htm" target="_blank" title="LMU">Poetikprofessur</a> an der Ludwig Maximilians Universit&#228;t M&#252;nchen statt. Die <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/lesungen.htm" target="_blank" title="LMU">dritte Lesung</a> wird dann n&#228;chste Woche, am 6.12.2007, im Literaturhaus M&#252;nchen sein.</p>
<p>Obwohl der M&#252;nchner Poetikprofessor Krausser nach der vollmundigen Ank&#252;ndigungsrede von <a title="Conter" target="_blank" href="http://www.claudeconter.de/">Dr. Claude D. Conter</a>&nbsp; angab, jetzt doch nerv&#246;s geworden zu sein, war er diesmal von Anfang an deutlich entspannter als <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/09/krausser-i/" target="_blank" title="Sprachspielerin">letztes Mal</a>. Der H&#246;rsaal der LMU war wieder so gut wie voll, der Dichter blieb wieder sitzen (und erkl&#228;rte dies mit seiner Unf&#228;higkeit, im Stehen zu reden) und war wieder komisch, ironisch, belesen, pathetisch und ein gro&#223;artiger Vorleser. Um es vorwegzunehmen: ich war begeistert, beinahe noch mehr als das letzte Mal. Und um das auch einmal dazuzusagen: eine <em>Vor</em>lesung ist das nat&#252;rlich nicht, was Krausser da macht. Der rote Faden ist sehr undeutlich ausgepr&#228;gt, tragend sind eher die Assoziationen und Einf&#228;lle des Autors, aber das ist auch ganz gut so.</p>
<p>Begonnen hat Helmut Krausser diesmal &#8211; nat&#252;rlich ging es wieder um das <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pathos">Pathos</a> &#8211; mit dem <em><a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3150098165?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3150098165">Julius Caesar</a></em> von <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare">William Shakespeare</a>, den man unbedingt lesen solle. Danach war lange nichts, sagt Krausser. Bis <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_B%C3%BCchner">Georg B&#252;chner</a> kam und <em><a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3938484179?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3938484179">Dantons Tod</a></em>. Das war es dann aber auch wieder mit dem chronologischen Vorgehen und ich kann nur &#228;hnlich assoziativ aneinanderreihen, was mir gefallen hat bzw. was ich mitnotiert habe, das bitte ich zu entschuldigen.</p>
<p>Ganz anders als <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/" target="_blank" title="ANH">Alban Nikolai Herbst</a> in seiner <a title="ANH" target="_blank" href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4446859/">Heidelberger Poetik-Vorlesung</a> bef&#252;rwortet Helmut Krausser eine Trennung zwischen U- und E-Literatur &#252;berhaupt nicht und meint sogar, die E-Literatur sei zumeist marginal, beleidigt, von sich selbst eingenommen und messianisch, obwohl sie ein Randdasein friste. Man solle doch lieber den Reichtum des Nebeneinander anerkennen und genie&#223;en. Krausser ist der Meinung, gute Literatur m&#252;sse es auch mit <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3551577773?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3551577773" target="_blank" title="Amazon"><em>Harry Potter</em></a> oder einem Computerspiel aufnehmen bzw. auch eine Dreizehnj&#228;hrige ohne viel Leseerfahrung begeistern k&#246;nnen.</p>
<p>Au&#223;erdem verteidigt er sich dagegen, einen konservativen Literaturbegriff zu haben, er sei eigentlich kein <a title="Lotrees" target="_blank" href="http://www.bublo.de/2007/10/31/der-letzte-romantiker/">Romantiker</a> und kein letzter Mohikaner, kein Traditionalist, sondern stehe f&#252;r einen Mix von alt und neu, die Gleichzeitigkeit aller tradierter Formen, die in der Moderne m&#246;glich sei. Und die Mannigfaltigkeit der Gegenwart k&#246;nne nur dadurch ent- und bestehen, dass sie auch einiges enthalte, was ihm nicht gefalle.</p>
<p>Niemand sei heutzutage nur ein Mensch, wir sind mehrere, sagt Krausser, jeder von uns. Und deshalb m&#252;sse auch auf Verschiedenes unterschiedlich reagiert werden (und reagiert werden d&#252;rfen). Nur die Spie&#223;er unter den Autoren versteckten sich in irgendwelchen H&#246;hlen und hinter ihrer einmal erreichten Unverwechselbarkeit, statt Neues auszuprobieren. Er sei also nicht reaktion&#228;r, sondern wolle lediglich &#252;ber die komplette Bandbreite der tradierten Stilmittel verf&#252;gen. &#220;berhaupt seien die Reaktion&#228;re von heute oft die Revolution&#228;re von morgen.</p>
<p>In diesem Kontext spricht Helmut Krausser auch &#252;ber Metrik und Reim, die lange Zeit nur noch in der komischen Literatur f&#252;r angemessen gehalten worden seien und teilweise noch heute f&#252;r moderne Literatur verdammt w&#252;rden. Krausser ist dagegen der Meinung, dass unsere Zeit nach formaler Strenge giere. Allerdings sollten Dichter unter 30 doch keinen Reim benutzen, einfach weil sie ihn nicht beherrschten. Jeder Vers sei eine Falle, man stehe mit einem Fuss im Grab und mit dem anderen auf einer Bananenschale.</p>
<p>Die Literatur des deutschen Sprachraums nach 1945 bezeichnet Krausser als suhrkampgetr&#228;nktes Pathos-Vakuum, enstanden durch die Abscheu vor allen Stilmitteln der Nazis, u.a. auch vor dem Pathos. Das Existenzrecht der Literatur habe nur noch im Experiment bestanden, die Schriftsteller wollten nicht mehr bezirzen und bezaubern, dadurch sei das &#8216;Dienstleistungsverh&#228;ltnis&#8217; zwischen Autor und Lesern besch&#228;digt worden. Stattdessen h&#228;tten die Autoren ihre Leser nun erziehen wollen, was nichts anderes sei als gutgemeinte Verachtung, der Wunsch nach Unterhaltung bei den Lesern sei diesen von den Schriftstellern sogar &#252;bel genommen worden.</p>
<p>Gerade wegen dieses &#8216;Pathos-Vakuums&#8217; im deutschsprachigen Literaturraum habe hier <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Bukowski">Charles Bukowski</a> so gro&#223;en Erfolg haben k&#246;nnen, nicht nur <em>was</em> er schrieb sei interessant gewesen, sondern auch <em>wie</em> er schrieb. Bukowski habe immer viel gewagt und getrunken und es sei keineswegs peinlich, ihn auch noch in h&#246;herem Alter zu lesen und gut zu finden. Besonders Bukowskis <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423125780?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423125780" target="_blank" title="Amazon">Lyrik</a> lobt er.</p>
<p>Das Problem sei, dass dieser Literaturgeschmack der deutschen Nachkriegszeit (aus Unsicherheit im Urteil) in den Redaktionen noch weiter gepflegt w&#252;rde wie ein uraltes, krankes Pferd, das einfach nicht verrecken wolle. Erst jetzt seien im Roman wieder narrative Strukturen ohne formale Experimente m&#246;glich und erlaubt. Folglich m&#252;ssten die Autoren auch wieder lernen, das Stilmittel des Pathos sicher zu handhaben.</p>
<p> Irgendwo dazwischen kommt ein Gedicht von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_von_Petersdorff" target="_blank" title="Wiki">Dirk von Petersdorff</a> namens <em>Raucherecke</em> (das man <a href="http://www.lyrikwelt.de/gedichte/vonpetersdorffg3.htm" target="_blank" title="Petersdorff">hier</a> nachlesen kann und das dem Band <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3100610059?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3100610059" target="_blank" title="Amazon"><em>Die Teufel in Arezzo</em></a> entstammt), das sei das einzige, worum er den Dichter beneide. Au&#223;erdem spricht Krausser sehr positiv von <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ian_McEwan">Ian McEwan</a> und seinem Roman <a href="http://www.amazon.de/gp/product/387763009X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=387763009X" target="_blank" title="Amazon"><em>Abbitte</em></a>, nicht ganz so positiv von <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Hemingway">Ernest Hemingways</a> &#8216;Kriegsgewinnlerpathos&#8217; und noch etwas negativer von <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger">Ernst J&#252;ngers</a> Roman <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/360895208X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=360895208X"><em>In Stahlgewittern</em></a>, der literarisch eigentlich nicht wertvoll und nur ein Tatsachenbericht sei (dem man daraus dann aber auch keinen Vorwurf machen d&#252;rfe, der Humor der Protagonisten d&#252;rfe keineswegs dem Autor angekreidet werden).</p>
<p>Zuletzt &#228;rgert sich Krausser noch &#252;ber das angema&#223;te Gutmenschentum eines besserwisserischen <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3423118210?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3423118210">Trommelzwergs</a>, der allen auf die Nerven gehe und macht einen kleinen Schlenker zu <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Louis-Ferdinand_C%C3%A9line">Louis-Ferdinand C&#233;line</a>s <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3499236583?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499236583"><em>Reise ans Ende der Nacht</em></a>. Hier schlie&#223;t Krausser mit der Frage, ob Kunst ihre Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel mitteilen m&#252;sse? Dies sei ein schwieriges Thema, das er unbeantwortet l&#228;sst.</p>
<p>Kraussers Randbemerkungen zum Pathos: Pathos sei wie ein Messer &#8211; gef&#228;hrlich in der falschen Hand. Hohles Pathos m&#252;sse nicht bek&#228;mpft werden, denn es platzt von selbst, wenn es sich bl&#228;ht. Pathos sei Kokain f&#252;r unsere <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ratio">ratio</a>, ein galoppierendes Pferd unter unserem Arsch, ein Rauschmittel. Pathos sei nat&#252;rlich nicht typisch deutsch. Pathos sei verbunden mit <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eros">Eros</a> (denn in der Adoleszenz, in den Jahren, in denen Eros zum bestimmenden Trieb werde, sei das Pathos ein wichtiges Ausdrucksmittel; manche Menschen seien nur ein Mal im Leben kreativ und zwar, wenn sie um ihre erste Liebe w&#252;rben).</p>
<p>Pathos sei auch mit <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thanatos">Thanatos</a> verkn&#252;pft (obwohl der Tod allgemein sehr zu begr&#252;&#223;en sei, werde er individuell weniger positiv gesehen, f&#252;hre zu Quengeleien und Widerspruch und zum Pathos des Leidens, letztlich zum Pathos des Leidens zu Tode). Auch Pathos und <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Melodie">Melodie</a> hingen zusammen (auch Melodie, agitiere und errege, mache verr&#252;ckt und entr&#252;cke; so sei das Misstrauen gegen die Melodie in der ernsten Musik nicht zuf&#228;llig gleichzeitig mit dem Misstrauen gegen jedes Pathos in der Literatur aufgetreten, jetzt erst g&#228;be es auch eine R&#252;ckkehr der Melodie, denn die E-Musik m&#252;sse erkennen, dass sie in eine Sackgasse gelaufen sei).</p>
<p>Aus seinen eigenen Texten w&#228;hlt Helmut Krausser diesmal wieder ein Gedicht (ein abgebrochenes Sonett) und Ausschnitte aus seinem Roman <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832179887?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3832179887" target="_blank" title="Amazon"><em>Eros</em></a>, der ihm einmal mehr den Vorwurf des Kitsches eingebracht habe (das Pathos im Roman rechtfertigt er aber damit, dass es aus der Position eines Jugendlichen erz&#228;hlt werde und kein Adoleszent sei jemals kitschig). Er besch&#228;ftigt sich kurz mit der Frage, warum sein Werk derart umstritten sei und selten lauwarme Reaktionen hervorrufe. Aber als K&#252;nstler k&#246;nne man ohne Feinde nicht leben.</p>
<p>Seine letzten S&#228;tze richtet Krausser an die &#8216;Suchenden und Schreibenden&#8217; unter den Zuh&#246;rern und r&#228;t ihnen: &#8216;Lassen Sie&#8217;s sein.&#8217; Es mache einfach zu viel Arbeit. Und denen, die es partout nicht lassen k&#246;nnten, empfiehlt er, hin und wieder unmodern zu sein. Sich nicht allem aus der literarischen Tradition verpflichtet zu f&#252;hlen, es aber im Auge zu behalten. Man solle schreiben, wie man es f&#252;hle und keinesfalls so, wie man glaube, dass es andere von einem erwarten. K&#252;nstler seien schlie&#223;lich nur der Wahrheit verpflichtet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier geht es zu <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/12/07/krausser-iii/" target="_blank" title="Sprachspielerin">Krausser III</a> und hier nochmal zu <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/09/krausser-i/" target="_blank" title="Sprachspielerin">Krausser I</a>.&nbsp;</p>
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		<title>Krausser I</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Nov 2007 00:48:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Germanistisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Der auch als &#8216;der letzte Romantiker&#8216; bezeichnete Schriftsteller Helmut Krausser hat in diesem Wintersemester die von Professor Jahraus wiederbelebte Poetikprofessur der LMU M&#252;nchen inne und gestern, am 08.11.2007, fand die erste von drei Lesungen statt.
Vor zehn oder elf Jahren war ich schon einmal auf einer Lesung Kraussers, in einer kleinen st&#228;dtischen Bibliothek in M&#252;nchen und [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der auch als &#8216;<a title="br-online" target="_blank" href="http://www.br-online.de/kultur-szene/artikel/0710/30-krausser/index.xml">der letzte</a> <a title="Lotrees" target="_blank" href="http://www.bublo.de/2007/10/31/der-letzte-romantiker/">Romantiker</a>&#8216; bezeichnete Schriftsteller <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/krausser.htm" title="LMU">Helmut</a> <a href="http://helmut-krausser.de/" target="_blank" title="Fan-Seite">Krausser</a> hat in diesem Wintersemester die von <a title="LMU" target="_blank" href="http://www.lrz-muenchen.de/~oliver.jahraus/">Professor Jahraus</a> wiederbelebte <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/index.htm" target="_blank" title="LMU">Poetikprofessur der LMU</a> M&#252;nchen inne und gestern, am 08.11.2007, fand die erste von <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/lesungen.htm" target="_blank" title="LMU">drei Lesungen</a> statt.</p>
<p>Vor zehn oder elf Jahren war ich schon einmal auf einer Lesung Kraussers, in einer kleinen st&#228;dtischen Bibliothek in M&#252;nchen und ich bin mir nicht mehr sicher, ob er aus <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442722551?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442722551" target="_blank" title="Amazon">Thanatos</a> oder aus der<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499134357?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3499134357" target="_blank" title="Amazon"> Hagen</a>-<a href="http://www.amazon.de/gp/product/349913344X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=349913344X" target="_blank" title="Amazon">Trinker</a>-<a href="http://www.amazon.de/gp/product/349922898X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=349922898X" target="_blank" title="Amazon">Trilogie</a> gelesen hat. Ich ging noch zur Schule, war &#8211; wie ich gerade beim Blick in meinen B&#252;cherschrank festgestellt habe &#8211; zu sch&#252;chtern, um mir ein Autogramm zu holen und er sa&#223; da, trug &#8211; wenn ich mich recht erinnere &#8211; eine Lederjacke und sprach vor allem davon, wann denn das Buffett er&#246;ffnet werde und es endlich etwas zu trinken gebe. Ansonsten blieb er anst&#228;ndig, seine Ausstrahlung aber war die erotische eines typischen Draufg&#228;nger-Trinker-Dichters à la <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462034308?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3462034308" target="_blank" title="Amazon">Bukowski</a>.</p>
<p>Jetzt sitzt er in diesem ziemlich gro&#223;en H&#246;rsaal der Ludwig Maximilians Universit&#228;t M&#252;nchen, es sind ziemlich viele Leute da und diesmal tr&#228;gt er ein wei&#223;es Hemd mit feinen, dunklen Streifen und eine schwarze Jacke dazu, keine Anzugsjacke, aber beinahe, die Geheimratsecken sind gr&#246;&#223;er. Und er wirkt nerv&#246;s, bei&#223;t sich auf die Lippen, als er vorgestellt wird, trinkt immer wieder Wasser, l&#228;chelt nicht und sieht zwischendurch etwas ratlos in die Runde, wenn er nicht ohnehin den Kopf gesenkt h&#228;lt. Und auch als ihm das Wort &#252;berlassen wird, tritt er nicht ans Rednerpult, er bleibt sitzen, auf derselben H&#246;he wie die Zuschauer und beginnt mit einer Entschuldigung: die Vorlesung zum Thema &#8216;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pathos" target="_blank" title="Wiki">Pathos</a> und Pr&#228;zision&#8217; sei ihm viel zu lang geraten, er habe k&#252;rzen m&#252;ssen, der zweite Teil werde das n&#228;chste Mal vorgetragen. Rhetorisch nicht eben gelungen, den Vortrag entschuldigend zu beginnen, aber es macht ihn sympathisch.</p>
<p>Der Herr Poetikprofessor versteckt sich fast, von hinten kann man ihn sicher nicht gut erkennen, aber ich sitze vorn und sehe, wie er zwischen Halbs&#228;tzen mit den Z&#228;hnen zu mahlen scheint, seinen Kiefer bewegt, beinahe als w&#252;rde er kauen und mit der Zunge unter Ober- oder Unterlippe w&#252;hlt. Er erw&#228;hnt den Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aposiopese" target="_blank" title="Wiki">Aposiopese</a>, fragt nach, ob dieser bekannt sei, f&#228;hrt dann aber unbeirrt und ohne Erkl&#228;rung fort in seiner Rede. F&#252;r den Zuschauer kommt es zu einer seltsamen Verdoppelung des Autors, denn hinter ihn ist gro&#223; das Ank&#252;ndigungsplakat der Vorlesung an die Wand projiziert, mit seinem Abbild in schwarz-wei&#223;. Dort oben blickt er intensiv, aus unbebrillten dunklen Augen, erotisch aufgeladen, beinahe hypnotisierend, die Geheimratsecken sind weggeschnitten, unten blickt er kaum aus seinem Manuskript auf und hinter seiner Brille hervor.</p>
<p>Aber Helmut Krausser ist witzig &#8211; von Anfang an &#8211; und wird mit jedem Absatz sicherer, f&#252;hlt sich sichtlich wohler, als er sich ein wenig von der Theorie entfernt und statt dessen literarische Texte vorliest, er bl&#252;ht auf, legt W&#228;rme und auch ein wenig Pathos in seine dunkle Stimme, wird lauter und lebendiger. Er feiert das Pathos nicht, aber er bef&#252;rwortet es besonnen, m&#246;chte es wieder aufgenommen wissen ins Repertoire stilistischen Handwerkszeugs, gerne gepaart mit Ironie, verteidigt es gegen Kritiker, die nur noch Text&#246;konomie unterst&#252;tzen und Klarheit. Pathos sei eine &#220;bertreibung und Verdeutlichung, eine Unterstreichung der Wichtigkeit, ein Schritt an die Kante, bewege manche Menschen, w&#228;hrend es f&#252;r andere nur schwer ertr&#228;glich sei. Kinder und Jugendliche w&#252;rden magisch vom Pathos angezogen, es scheine etwas nat&#252;rliches zu sein, was den Menschen erst sp&#228;ter ausgetrieben werde. Und schlie&#223;lich: Kunst ohne Pathos sei unmenschlich und blutleer.</p>
<p>Nebenbei streut Helmut Krausser noch jede Menge Aphorismen, hier nur eine Auswahl: mit Verweis auf Friedrich Schillers <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3150000513?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3150000513">Die Verschw&#246;rung des Fiesco zu Genua</a> sagt er, dass ein Text immer selbst Schuld trage an seinem Nachleben; von der Seele behauptet er, dass sie existiere, weil das <em>Wort</em> Seele existiere. Umwege (auch beim Schreiben) erh&#246;hten die Ortskenntnis, meint er. K&#252;nstlern vorzuwerfen, sie w&#252;rden zu weit gehen, sei &#228;hnlich, wie B&#228;umen eine zu gro&#223;e Standorttreue vorzuhalten. Er wundert sich, dass Autoren oft vermieden etwas zu behaupten, denn um am Ende Recht zu behalten, m&#252;sse man schlie&#223;lich zuvor etwas behauptet haben und jeder Autor wolle schlie&#223;lich Recht behalten.</p>
<p>Im zweiten Teil des Vortrages liest Helmut Krausser aus seinem Roman <a title="Amazon" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/3442722551?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442722551">Thanatos</a>, mit dem er sich &#8211; hinsichtlich des Pathos &#8211; am weitesten vorgewagt habe, wof&#252;r er von verschiedenen Kritikern auch &#8216;auf die Finger&#8217; bekommen habe. Er meint jedoch, dass sich dieser Roman nicht die Romantik einverleibe, sondern sich <em>in</em> die Romantik einverleibe und h&#228;lt ihn durchaus f&#252;r einen parodistischen Roman, auch wenn die Parodie an keinem Punkt genau festzumachen sei. Nach einer wundervollen Lesung der Mordtat in seinem Roman verbeugt er sich mit auf dem R&#252;cken gekreuzten H&#228;nden, zum ersten Mal vor seinem Publikum stehend.</p>
<p>Auf die n&#228;chste Lesung, die am 29.11. wieder an der LMU stattfinden wird (die dritte Lesung dann im M&#252;nchner Literaturhaus), bin ich sehr gespannt, nein: ich freue mich darauf. Mal sehen, ob ich f&#252;r die Tagung bzw. das <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/tagung.htm" target="_blank" title="LMU">Kolloquium</a> <em>Helmut Krausser und die Gegenwartsliteratur der Romantik</em> vom 06.-08.12.2007 im Literaturhaus Zeit finden werde, das <a href="http://www.poetikprofessur.lmu.de/Bilder/tagungsprogramm.pdf" target="_blank" title="LMU">Programm</a> liest sich jedenfalls sehr spannend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hier geht es inzwischen zu <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/11/30/krausser-ii/" target="_blank" title="Sprachspielerin">Krausser II</a> und <a href="http://www.sprachspielerin.de/2007/12/07/krausser-iii/" target="_blank" title="Sprachspielerin">Krausser III</a>.</p>
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		<title>F. Gr&#228;fin zu Reventlow</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Sep 2007 21:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So nannte sie sich jedenfalls selbst, dieser Name steht als Autorname auf ihren B&#252;chern. Unter anderem am Titelbild der Erstausgabe ihres Romans Von Paul zu Pedro, im Untertitel Amouresken, von 1912, kann man dies feststellen.


&#160;Deshalb ist der Streit, ob sie nun eigentlich Fanny zu Reventlow hie&#223; oder lieber Franziska (Gr&#228;fin) zu Reventlow hei&#223;en wollte (manchmal [...]


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So nannte sie sich jedenfalls selbst, dieser Name steht als Autorname auf ihren B&#252;chern. Unter anderem am Titelbild der Erstausgabe ihres Romans <em>Von Paul zu Pedro</em>, im Untertitel <em>Amouresken</em>, von 1912, kann man dies feststellen.</p>
<p></p>
<p align="center"><img width="380" height="540" align="middle" alt="Amouresken_01a.jpg" src="http://www.sprachspielerin.de/wp-content/photos/09/Amouresken_01a.jpg" /></p>
<p>&nbsp;<br />Deshalb ist der Streit, ob sie nun eigentlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/F._Gr%C3%A4fin_zu_Reventlow" target="_blank" title="Wiki">Fanny zu Reventlow</a> hie&#223; oder lieber Franziska (Gr&#228;fin) zu Reventlow hei&#223;en wollte (manchmal wird sie gar Franziska von Reventlow genannt), eigentlich schon wieder &#252;berfl&#252;ssig. Fakt ist, dass sie auf die Namen &#8216;Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne&#8217; getauft wurde, wie sich das f&#252;r eine Tochter aus einer Adelsfamilie geh&#246;rte. Erst als &#8216;Fanny&#8217; von Husum bzw. L&#252;beck nach M&#252;nchen kam, wurde Fanny wohl pl&#246;tzlich von manchen f&#252;r eine Abk&#252;rzung von Franziska gehalten. W&#228;hrend Fanny im Norden englisch-vornehm klingt, nannte man in Bayern h&#246;chstens seine K&#252;he so. Fanny unterschrieb weiterhin mit F. Gr&#228;fin zu Reventlow und nur selten mit Fanny, noch bei ihrer (Schein-)Heirat 1911 mit Baron Rechenberg-Linten wird in ihrem russischen Pass allerdings &#8216;Fanny&#8217; stehen, ‚Franziska zu Reventlow‘ schrieb sie gar nur ein einziges Mal mit eigener Hand. Trotzdem ist sie als Franziska zu Reventlow in die (Literatur-)Geschichte eingegangen. Das liegt an obigem Missverst&#228;ndnis und daran, dass auch ihre sp&#228;tere Herausgeberin, ihre Schwiegertochter <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Else_Reventlow">Else Reventlow</a>, die sie pers&#246;nlich nicht mehr kennenlernen konnte, den Namen Franziska f&#252;r passender hielt. Sp&#228;ter haben Biographen auch immer wieder behauptet, Fanny selbst habe eine Abneigung gegen den Namen Fanny gehabt, aber das haben sie sich wohl schlichtweg ausgedacht. So schnell kann&#8217;s gehen.</p>
<p>Aber Fanny hatte viele Namen und es wurde vieles &#252;ber sie geschrieben. Eine Aufz&#228;hlung ist ein wahres Kuriosit&#228;tenkabinett und durchaus interessant. Ein paar Stilbl&#252;ten seien hier beispielhaft zitiert: <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Klages">Ludwig Klages</a> nannte sie „eine heidnische Heilige“ und sah in ihr „das Element nordischen Heidentums in unvermischter Reinheit“, f&#252;r <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke">Rainer Maria Rilke</a> war sie die „Madonna mit dem Kinde“. <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Panizza">Oskar Panizza</a> nannte sie einmal eine „Amazone“, dann eine „schleswig-holsteinsche Venus“, aber auch „tapferes Voll-Weib“ und spricht sie als „Sie holsteinsches Prinze&#223;chen, Sie schneewei&#223;es Marzipan-Pers&#246;nchen“ an. F&#252;r <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Schuler">Alfred Schuler</a> war Reventlow eine „Sirene“, f&#252;r <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Lessing">Theodor Lessing</a> eine „Lais“ und „Braut von ganz Schwabing“. F&#252;r <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_George">Stefan George</a> spielte sie „die Rolle des Mephisto“ und f&#252;r<a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Hessel"> Franz Hessel</a> war sie „die Mildeste und Wildeste“. <a title="Wiki" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Falckenberg">Otto Falckenberg</a> erz&#228;hlt zusammenfassend: „Sie war die sch&#246;ne, kluge, gro&#223;e Het&#228;re, das weibliche Ideal Schwabings, noch dazu ebenso m&#252;tterlich wie amour&#246;s: die immer ersehnte Synthese von Mutter und Dirne, die Astarte des ‚kosmischen Urschlammes‘, die Wiederkehr des Mutterrechtes.“ Daraus wird auch deutlich, dass sie alle wichtigen Pers&#246;nlichkeit der Jahrhundertwende in M&#252;nchen kannte, dass alle &#252;ber sie schrieben und an sie schrieben (Rilke steckte ihr etwa jeden Tag ein Liebesgedicht in den Briefkasten, wie traumhaft!).</p>
<p>Aber damit h&#246;rt es noch lang nicht auf, es geht noch viel weiter, eine Sammlung von verschiedensten Benennungen (insgesamt knapp 60) habe ich in meiner Arbeit &#8216;<a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/09/25/anleitung-zum-unbuergerlichsein-f-graefin-zu-reventlows-roman-von-paul-zu-pedro-als-spiel-mit-genres-und-geschlecht/" target="_blank" title="Wissenswerkstatt">Anleitung zum Unb&#252;rgerlichsein &#8211; F. Gr&#228;fin zu Reventlows Roman <em>Von Paul zu Pedro</em> als Spiel mit Genres und Geschlecht</a>&#8216; im Anhang angef&#252;hrt, mit Fu&#223;noten nachgewiesen, versteht sich.</p>
<p>Kann man &#252;ber jemanden wie Fanny &#252;berhaupt noch etwas schreiben? Soll man &#252;ber sie &#252;berhaupt noch etwas schreiben, pers&#246;nlich? Soll man mitmachen bei dieser Polonaise von Benennungen, noch mehr Stilbl&#252;ten hinzuf&#252;gen? Und doch: ich habe &#252;ber ein halbes Jahr nur von ihr und &#252;ber sie gelesen, &#252;ber ihr Werk geschrieben, jede Zeile ihres Tagebuchs gelesen, sie ist mir ans Herz gewachsen. Und ich habe mir ein Bild von ihr gemacht, sie bedeutet mir etwas, ihr Foto steht auf meinem Schreibtisch. Nat&#252;rlich habe ich mir etwas vorgestellt. Dass sie klein war und zerbrechlich wirkte, schmal und h&#252;bsch, dass sie lange Kleider trug und manchmal einen Hut. Dass sie die Haare teilweise ganz kurz trug und burschikos und keck wirkte bei ihrer Hochzeit. Dass ich sie sehr gemocht h&#228;tte, aber ich mir nicht sicher bin, ob sie das erwidert h&#228;tte. Dass sie sehr mutig war und sehr genau hat wissen m&#252;ssen, was sie wollte: unverheiratet mit ihrem Sohn leben, zur damaligen Zeit ein Skandal. Dass sie unheimlich vieles anpackte und wieder fallen lie&#223;, aber immer wieder die selbe Begeisterung zeigte f&#252;r Neues. Dass sie gerne reiste, wirklich hart arbeitete, aber dennoch nie Geld hatte. Dass sie gro&#223;z&#252;gig war und unbek&#252;mmert, aber zwischendrin auch unglaublich einsam und ungl&#252;cklich. Dass sie sich in ihrer Schwangerschaft fast umgebracht h&#228;tte, ihr Kind dann aber ihr Ein-und-Alles war. Dass sie M&#228;nner sehr liebte, aber eben nicht immer nur einen, sch&#246;n der Reihe nach. Dass sie Schriftstellerin und &#220;bersetzerin war und viel lieber Malerin sein wollte. Dass sie einfach ihren Weg ging und in keine Schubladen passt. Dass sie einfach bewunderungsw&#252;rdig ist.</p>
<p>Und zuletzt habe ich mir noch unheimlich oft gedacht, wie unversch&#228;mt viele Rezensenten, Biographen und sonstige Autoren in ihrem Urteil ihr gegen&#252;ber oft waren. Und wie ignorant. Dass sie andauernd nur &#252;ber ihr skandal&#246;ses Leben schrieben und dar&#252;ber, wen sie alles kannte und im Bett hatte. Dass es ihnen nicht langweilig wurde, dar&#252;ber zu schreiben. Und warum zum Teufel sie nicht ab und zu &#246;fter in ihre B&#252;cher hineinsahen und einfach lasen, was sie selbst schrieb. Und dass sie einfach nicht anerkennen wollten, dass sie wirklich schreiben konnte. Dass ihre B&#252;cher unheimlich am&#252;sant, genau beobachtet und gut erz&#228;hlt sind. Und nat&#252;rlich dass ihre B&#252;cher das sind, was ich in meiner Arbeit zu zeigen versuche: intertextuell verwobene Kunstwerke.</p>
<p>Das alles tut nat&#252;rlich &#252;berhaupt gar nichts zur Sache, was ich mir dachte und vorstellte und ich denke, es ist mir auch gelungen, meine Sympathien und Antipathien aus dieser wissenschaftlichen Arbeit herauszuhalten. Au&#223;er vielleicht ein klein wenig beim allerletzten Satz, wo ich schreibe: „Klar ist aber jetzt schon, dass das Bild von Reventlow als unbedarfter, unbelesener und unpolitischer Autorin von autobiographischer Unterhaltungsliteratur, die sie nur mit Hilfe von M&#228;nnern verfassen konnte, gr&#252;ndlich revidiert werden muss.“ Und nat&#252;rlich, wenn ich im Anhang Catherina Godwin aufnehme, eine so gut wie vergessene aber ebenso spannende Autorin, die einiges mit Fanny zu Reventlow teilt und 1910 ein Buch mit dem genialischen Titel ‚Begegnungen mit mir‘ ver&#246;ffentlichte. Sp&#228;ter ist Catherina Godwin dann wohl immer mehr in Richtung niedere Unterhaltungsliteratur abgedriftet, mit Titeln wie ‚Hotel der Erf&#252;llung‘ und &#228;hnlichem.<br />&nbsp;</p>
<div align="center"><img width="380" height="546" align="middle" src="http://www.sprachspielerin.de/wp-content/photos/09/Godwin_01a.jpg" alt="Godwin_01a.jpg" /></div>
<p>&nbsp;<br />N&#228;heres zu meiner Arbeit &#252;ber Fanny zu Reventlows Roman <em>Von Paul zu Pedro</em> k&#246;nnt ihr &#252;brigens <a title="Wissenswerkstatt" target="_blank" href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/09/25/anleitung-zum-unbuergerlichsein-f-graefin-zu-reventlows-roman-von-paul-zu-pedro-als-spiel-mit-genres-und-geschlecht/">hier</a> erfahren und die Arbeit auch herunterladen.</p>
<p>Der Titel &#8216;Anleitung zum Unb&#252;rgerlichsein&#8217; ist nat&#252;rlich Paul Watzlawicks ‘<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492249388?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3492249388" target="_blank" title="Amazon">Anleitung zum Ungl&#252;cklichsein</a>’ entwendet, ich konnte ja nicht ahnen, dass er nur <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/04/02/paul-watzlawick-kommunikationsschleifen/" target="_blank" title="Wissenswerkstatt">ein paar Tage nach Titelfindung sterben</a> w&#252;rde und f&#252;hle mich auch ein wenig schuldig. Mord durch Zitation sozusagen.</p>
<p>Ach ja, und es lohnt sich wirklich, einfach ihre Romane zu lesen, sie sind tats&#228;chlich herrlich komisch: mein Lieblingsbuch ‘<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3928606131?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3928606131" target="_blank" title="Amazon">Von Paul zu Pedro – Amouresken</a>’ (&#252;ber M&#228;nner, Beziehungen, die Liebe und die leidige Angelegenheit mit Geld und Beruf), ‘<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3934703488?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3934703488" target="_blank" title="Amazon">Der Geldkomplex</a>’ (sehr am&#252;sante Parodie auf die Psychoanalyse, gibt es auch als <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899031652?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3899031652" target="_blank" title="Amazon">H&#246;rbuch</a>; hier auch die Abbildung des Titelbildes der Erstausgabe von 1916), ‘<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3866402066?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3866402066" target="_blank" title="Amazon">Herrn Dames Aufzeichnungen</a>’ (&#252;ber das Leben der Boh&#232;me in M&#252;nchen-Schwabing der Jahrhundertwende) und nat&#252;rlich ihre <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3888492084?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3888492084" target="_blank" title="Amazon">Tageb&#252;cher</a>. Um komplett zu sein hier auch ihr erster, autobiographischer Roman <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935877528?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3935877528" target="_blank" title="Amazon">Ellen Olestjerne</a>, ihr letzter, unvollendeter &#8216;Der Selbstmordverein&#8217; (leider momentan nicht einzeln erh&#228;ltlich), ihre <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3359002490?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3359002490" target="_blank" title="Amazon">Erz&#228;hlungen</a> (sehr h&#252;bsche Ausgabe, die neben den Erz&#228;hlungen auch &#8216;Von Paul zu Pedro&#8217; enth&#228;lt) und &#8211; der Einfachheit halber &#8211; die gesammelten <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896211900?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3896211900" target="_blank" title="Amazon">Werke in 5 B&#228;nden</a>. </p>
<p align="center">&nbsp;<img width="380" height="541" align="middle" src="http://www.sprachspielerin.de/wp-content/photos/09/Geldkomplex_01a.jpg" alt="Geldkomplex_01a.jpg" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und – ein hei&#223;er Tip – Fannys ausgesprochen reizender Briefwechsel mit ihrem zeitweiligen Lebensgef&#228;hrten Bohdan von Suchocki: ‘<a href="http://www.amazon.de/gp/product/388849205X?ie=UTF8&amp;tag=diesprach-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=388849205X" target="_blank" title="Amazon">Wir &#252;ben uns jetzt wie Esel schreien</a>’. Dort (im sehr kundigen Vorwort von J&#252;rgen Gutsch) sind auch zwei Sch&#252;ttelreime von Fanny zu Reventlow zu finden, die ich euch nicht vorenthalten m&#246;chte:</p>
<p>Denn wenn ich diese Pf&#246;tchen knutsch<br />gehn meiner Seele Kn&#246;tchen pfutsch</p>
<p>Man muss nicht so viel Liebe treiben,<br />dass sich die Triebe selbst entleiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und wer an einer Stadtf&#252;hrung zur M&#252;nchner Boh&#232;me interessiert ist, um sein Wissen zu vertiefen, der lese <a title="Sprachspielerin" target="_blank" href="http://www.sprachspielerin.de/2007/09/26/zephir/">hier</a> weiter.</p>
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		<title>Neue Netze</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Sep 2007 22:08:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sprachspielerin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Germanistisches]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Das neue Netz? &#8211; Tagung an der Universit&#228;t Bamberg 20.-22. September 2007Technorati: dnn2007
Eigentlich geh&#246;re ich ja gar nicht dazu. Ich bin weder Soziologin, noch Kommunikations-, Medienwissenschaftlerin, Informatikerin oder &#228;hnliches, wie die meisten hier. Ich halte keinen Vortrag, ich besch&#228;ftige mich auch sonst nicht wissenschaftlich mit dem Web 2.0 und bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Neues Netz" target="_blank" href="http://www.dasneuenetz.de/">Das neue Netz?</a> &#8211; Tagung an der Universit&#228;t Bamberg 20.-22. September 2007<br /><font size="2">Technorati: <a href="http://technorati.com/posts/tag/dnn2007">dnn2007</a></font></p>
<p>Eigentlich geh&#246;re ich ja gar nicht dazu. Ich bin weder Soziologin, noch Kommunikations-, Medienwissenschaftlerin, Informatikerin oder &#228;hnliches, wie die meisten hier. Ich halte keinen Vortrag, ich besch&#228;ftige mich auch sonst nicht wissenschaftlich mit dem Web 2.0 und bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich das Zuh&#246;ren durchaus mit eigenem Lesen oder Schreiben unterbrechen w&#252;rde. Aber mein Block und mein Buch ruhen in meiner Tasche aus. Irgendwie wird alles viel zu interessant.</p>
<p>Am Ende des Tages bildet man einen Stuhlkreis, es soll diskutiert werden, es stottert erst und holpert, dann l&#228;uft es an und die Diskussion gewinnt an Fahrt, wird engagiert und auch ein klein wenig emotional, die Blickpunkte der verschiedenen Disziplinen prallen tats&#228;chlich produktiv aufeinander. Da treten ganz dezent die unterschiedlichsten Dialekte zum Vorschein, es wird sanft <a href="http://christianpentzold.de/index.php?p=10045" target="_blank" title="Christian Pentzold">ges&#228;chselt</a> und <a href="http://homepage.univie.ac.at/axel.maireder/" target="_blank" title="Axel Maireder">Wienerisch</a> gesprochen zum Niederknien. Und es keimt zwischendurch kurz das Gef&#252;hl auf, dass das hier ein klitzekleiner Teil der Geschichte ist. Irgendwie ist ja jeder Moment irgendwie Geschichte, hinterher, aber dieser vielleicht doch etwas mehr. Weil es etwas Neues ist, was hier gemacht und besprochen wird, ein wissenschaftlicher Diskurs &#252;ber das ‚Neue Netz‘. Weil die hier zwar nicht die ersten sind, die sich an einer Definition versuchen, aber ihnen darin auch noch nicht gar so viele voraus gegangen sind und ein Ergebnis noch lange nicht absehbar ist. Ich geh&#246;re eigentlich gar nicht dazu, aber jetzt bin ich Teil davon.</p>
<p>Was mich als Literaturwissenschaftlerin aber noch mehr interessieren w&#252;rde, ist der Zusammenhang zwischen (literarischen) Blogs, weiblichem Sprechen und Authentizit&#228;t. Erstens ist es ja wohl so, dass nach <a href="http://www.bamblog.de/" target="_blank" title="Bamblog">Jan Schmidt</a> die Blogosph&#228;re vorwiegend weiblich ist. Zweitens werden Blogs offenbar mit einem hohen Grad an Authentizit&#228;t in Verbindung gebracht, d.h. es wird auch davon ausgegangen, dass es sich um mehr oder minder unzensiertes autobiographisches Sprechen (im Gegensatz zum fiktiven Sprechen) handelt. Drittens wird in den literaturwissenschaftlichen Gender-Studies davon ausgegangen, dass es zwischen Weiblichkeit und Autobiographie einen doppelten Zusammenhang gibt: erstens erm&#246;glichen bestimmte literarische Moden, die ein scheinbar autobiographisches Sprechen ausstellen (wie etwa der empfindsame Briefroman des 18. Jahrhunderts) den Eintritt von Frauen in die Literatur. Dies auch, weil autobiographisches, authentisches, nat&#252;rliches Sprechen immer schon mit dem Sprechen von Frauen in Zusammenhang gebracht wurde. Das hat nicht zuletzt mit der behaupteten Kultur – Natur Dichotomie zwischen Mann und Frau zu tun. Gerade der Briefroman ist dann ein Genre, das mit diesen Annahmen spielt, n&#228;mlich bewusst autobiographisches Sprechen fingiert. Es entsteht die Fiktion von Authentizit&#228;t. Und dies noch einmal verst&#228;rkt, wenn es sich um eine weibliche Autorin handelt. Dann wird der Text oft sofort auf sie und ihr Leben zur&#252;ckgelesen, der Text w&#246;rtlich genommen. Weibliches Schreiben erscheint identisch mit autobiographischem Schreiben, schon weil man Frauen ein fiktional-literarisches Schreiben gar nicht zutraut.</p>
<p>Was k&#246;nnte man jetzt als Literaturwissenschaftler aus diesen Annahmen schlie&#223;en? Dass, ganz platt gesagt, die Blogs die Briefromane der Moderne sind? Mit allen Chancen und Problemen? Autobiographisch/authentisch markiertes Sprechen, vorwiegend von Frauen? Ist die Blogosph&#228;re deshalb weiblich gepr&#228;gt, weil genau dieses Sprechen auch den Frauen den Zugang zu einer Autorposition erlaubt? Und umgekehrt, werden Blogs deshalb als autobiographisch gelesen, weil sie besonders h&#228;ufig von Frauen geschrieben werden? Wie kommt es &#252;berhaupt zu dieser Verbindung von Blog und Authentizit&#228;t? Wie erzeugen Blogs diese Fiktion von Authentizit&#228;t? Oder ist es nur so, dass – &#228;hnlich wie bei einer <a href="http://www.dasneuenetz.de/2007/09/24/slot-4/" target="_blank" title="dnn2007">Wissenschaft</a> <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2007/09/12/kraenkungen-blindheit-und-traditionen-im-zeitalter-der-digitalisierten-wissenschaft-der-schwierige-weg-zur-wissenschaft-20/" target="_blank" title="dnn2007">2.0</a> – blo&#223; eine klare und anerkannte Markierung daf&#252;r fehlt, dass es sich jetzt um einen fiktionalen Text handelt? Wie sieht es aus, wenn ein Autor/eine Autorin bewusst mit dieser Fiktion von Authentizit&#228;t spielt, etwa in literarischen Blogs?</p>
<p>Fragen &#252;ber Fragen, mit denen sich wahrscheinlich noch niemand in der (deutschen) Literaturwissenschaft besch&#228;ftigt hat, oder? Antworten, Anmerkungen und Literaturtips bitte gerne hier!</p>
<p></p>
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