Knutschen und Nietzsche – Mehr Bildung in Blogs

Literatenmelu hat in ihrem Blog dazu aufgerufen, bei ihrer Aktion “Mehr Bildung in Blogs” mitzumachen. Nachdem es nur gilt, einige Fragen zu beantworten, ich mich eben wieder ans Bloggen gewöhne und es außerdem etwas zu gewinnen gibt, lege ich jetzt also einfach mal los:

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

Das beste an meiner Schulzeit war wahrscheinlich Knutschen und Nietzsche. Mit dem Knutschen habe ich recht bald angefangen und den Unterhaltungswert zu schätzen gelernt und deshalb auch nicht damit aufgehört, als ich irgendwann noch lieber Nietzsche unter der Schulbank las. Ab der 9. war ich in einer Klasse mit 20 Jungs und 2 Mädchen, ich hatte also Auswahl. Ansonsten war die Schule eher langweilig, meine Noten waren ohne große Anstrengungen gut und eine Zeit lang war ich jede Woche ungefähr einmal nicht in der Schule, was weder mir noch meinen Noten geschadet hat. Höchstens dem Knutschen.

In der 10./11. Klasse war mir dann so langweilig, dass ich nicht nur während der Schulzeit unter der Bank gelesen (oder geschrieben) habe, sondern gleich studieren musste. Nachmittags ging ich also in die Hochschule für Politik, um Philosophie zu studieren. Apropos, mein großartigster Lehrer – trotz Nietzsche und trotzdem ich immer erklärte Atheistin war – war sicherlich mein Lehrer in katholischer Religion, Herr Hilz-Merthan, den ich immer jedem Ethiklehrer (zu dem ich ja freiwillig hätte gehen können) vorgezogen habe und dem ich bis zum Abitur treu blieb.

Dann gab es noch den alten Physiklehrer, der der Ansicht war, Mädchen können in Physik sowieso nichts, was meinen Ehrgeiz so anstachelte, dass ich in diesem Schuljahr nur Einser hatte. Meinen Griechisch-Lehrer mit seinen liebenswerten Macken und dauernden Zahnproblemen werde ich sicher auch nie vergessen, genausowenig wie meine Latein- und Deutschlehrerin in der 5./6. Klasse, die streng und gut und nett war, aber manchmal Strumpfhosen unterm Rock trug, durch die man ihre langen Haare an den Beinen sehen konnte.

Das mit dem Nietzsche (und Sartre und Camus und Hesse und Mann und was weiß ich alles) unter der Schulbank hatte aber auch zur Folge, dass “unwichtigere” Fächer völlig an mir vorüber gezogen sind. Hatte ich jemals Erdkunde? Keinen blassen Schimmer. Wirtschaft und Recht? Sozialkunde? Chemie? Kann mich nicht erinnern…

2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Da wären zum einen natürlich Stift und Papier, welchen ich immer große Aufmerksamkeit gewidmet habe, die Hefte und Hausaufgabenhefte mussten “schön” sein, wurden teilweise aus Frankreich importiert (später auch die Ordner), um etwas “besonderes” zu haben und mit Stiften wurde viel herumexperimentiert: verschiedene Füller (normal und mit Kolben, teils mit abgeschrägter Feder etc.), verschiedenfarbige Tinten (grün, rosa, lila…), ein Schuljahr lang habe ich auch fast nur mit Bleistift geschrieben. Schreiben habe ich immer gemocht, was die Lehrer dazu sagten, die die Farbexperimente nicht immer begrüßten, war mir egal.

Die Lehrer arbeiteten natürlich mit Tafel+Kreide und auch mal dem Overheadprojektor, ich kann mich auch an wunderschöne, riesige Karten im Geschichts- und Griechischunterricht erinnern (den Erdkundeunterricht habe ich ja wie gesagt verpasst), wobei allerdings am spannendsten war, wer die Karten holen durfte und dann wie und mit wie vielen Unfällen an den Kartenständer hängte (was möglichst viel Zeit in Anspruch nehmen sollte). In Bio gab es manchmal irgendwelche 16mm-Filme, die waren toll. Und in Englisch haben wir auch mal ein Lied auf Kassette angehört, das natürlich alle grauenhaft fanden. Aus Prinzip. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

Trotz meiner Begeisterung für Bücher konnte ich mich für Schulbücher nie wirklich erwärmen und habe sie so gut es ging geschleppt und ignoriert. Ach ja, einen Computerraum gab es an der Schule auch, ja genau, einen, aber ich kann mich nur an ca. 2 Besuche erinnern und an irgendwelche Spiele, die man dort dann spielte. Aber vielleicht habe ich auch einfach nicht aufgepasst.

3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Oh, na darüber schreibe ich besser ein andermal, das würde den Rahmen hier sprengen. Und vielleicht mache ich das auch erst, wenn ich mit der “Lehrerausbildung” fertig bin. Nur so viel: es würde sehr helfen, wenn man irgend jemanden hätte, der einen durch diese schwierige Zeit leitet und wirklich “betreut” und der einen nicht gleichzeitig auch bewertet, denn so jemanden gibt es in Bayern im Referendariat nicht. Und klar, an der Uni müsste auch schon vieles anders laufen.

4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Doch, gerne, habe es schon zwei Mal versucht, einmal mit der “Romantischen Schule” und einmal mit der “Klassikklasse”, beide Male in einer 12. Klasse, Grundkurs Deutsch, mit unterschiedlichem Ergebnis, würde ich sagen. Auch das will an anderer Stelle noch genauer analysiert werden.

5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Ehrlich gesagt kenne ich mich da weder mit entsprechenden Online-Angeboten noch mit Nachhilfe generell genug aus, um diese Frage sachkundig beantworten zu können. Ergänzen? Warum nicht. Ersetzen? Ich glaube, es ist unersetzbar, dass ein Schüler eine Frage stellt und dann individuell etwas erklärt bekommt.

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Gedichte

gedichte sind
unfolgsame kinder
sie kommen nicht
wenn man sie ruft
man kann sie nicht zwingen
sie spielen verstecken
aber man darf sie
nicht suchen
nur finden

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Zur Teddyaffenwoche

Ja, ich weiß, ich bin viel zu spät dran, das war schon die letzte Woche, die Anke Gröner zur Teddybärenwoche ausgerufen hatte. Aber einerseits bin ich ja entschuldigt, dass ich es nicht schon früher mitbekommen habe (akuter Lernstress), andererseits sind die Ergebnisse/Blogbeiträge teilweise so schön, dass ich mich jetzt einfach noch ungefragt und verspätet anschließen muss. Außerdem hat mich Percanta durch ihr Beispiel ermutigt, denn sie hat auch diese Woche noch die Bären Monika und Jochen nachgeschoben, nachdem es letzte Woche bei ihr schon Pu zu bewundern gab.

Außer der Verspätung habe ich aber auch noch ein weiteres Problem: mein Teddy ist kein Bär. Aber darüber tröstet mich dann wieder hinweg, dass es auch bei Lu von miagolare ein Hundi ist, der ihr Teddy war, bei Sven ein Tiger und bei Thommy sogar ein Äffchen namens Toldie (und wazong hat den gleichen). Denn ansonsten handelt es sich tatsächlich weitgehend um Bären-Begleiter, unbedingt besuchen sollte man darunter Isas Bär Brummi, dessen Brummen man sich beim Anklicken des Bildes auch gleich anhören kann.

Weitere Bären gibt es natürlich bei Anke selbst (1, 2), bei Text&Blog, Kiki, Flummi, Dirk, Sara und ondamaris, bei Altmetall, dem Heliumkiffer und meiner Mitmünchnerin Helga. Auch Frau Klugscheisser zeigt ihren alten Teddybären, aber nicht ohne auf einen verschollenen Affen und die Entsorgungsproblematik hinzuweisen, auf die sie letztes Jahr schonmal näher einging. Auch ich hatte andere Kuscheltiere (darunter wahrscheinlich sogar Teddybären), die älter waren und vielleicht sogar ‘liebergehabt’ wurden, aber die sind irgendwie weg. Mag ja sein, dass das eine oder andere Stofftier noch in Südfrankreich aufzufinden ist, wo ich ja meine früheste Kindheit verbrachte, kann aber auch gut sein, dass sie schlicht und ergreifend der Ordnungsliebe meiner Mutter zum Opfer gefallen sind, das halte ich sogar für die wahrscheinlichere Alternative.

Das, was bei mir als liebstes und frühestes Kuscheltier übriggeblieben ist, ist jedenfalls ein Affe, ein relativ großer, sehr weicher, hellbeiger Affe. Und da kommt schon die dritte Einschränkung zur Teilnahme an der Teddybärenwoche: es ist nicht nur zu spät und kein Bär, sondern so besonders alt wie die, die woanders schon vorgestellt worden sind, ist der Affe auch nicht, nicht so liebevoll abgewetzt, abgeliebt und geflickt, der sieht eigentlich noch ganz gut aus, da muss man sich fast schämen.

Bekommen habe ich ihn auch nicht zur Geburt, sondern erst irgendwann zu Grundschulzeiten von meiner Patentante, ich wollte eigentlich unbedingt einen Affen von Steiff (weil eine Freundin so einen hatte, mit Drähten in den Armen), aber das war wohl zu teuer. Der no-name-Affe hat es aber auch genauso getan und wurde sehr geliebt und jetzt kommt das vielleicht einzig Besondere an diesem Nicht-Teddybär: sein Name.

Nein, einer reicht nicht, ich war ein sehr phantasievolles Kind, es mussten drei sein und so heißt er nun: Schimpo Schischi Tapioka. Schimpo, weil Affen eben so heißen müssen, davon war ich überzeugt, da hatte ich gar keine andere Wahl. Schischi, weil das so gut zu Schimpo passt und zusammen gut klingt. Und Tapioka, naja, ich glaube, dass in meiner damaligen Lieblingslektüre (Lustige Taschenbücher, aber nicht weitersagen!) eine Figur mit diesem Namen vorkam und mir der Klang gefiel. Dass Tapioka auch eine Süßkartoffel bzw. irgendwas aus der Maniokknolle ist, erfuhr ich erst viel später (zumindest farblich kommt das aber ungefähr hin)…

Nun gut, dann wäre das vornehme Äffchen mit dem langen Namen also vorgestellt, ich hatte den Artikel schon bis hierhin geschrieben und wollte zum finalen Foto schreiten, als mir genau das passierte, was Anke geschah und überhaupt nur der Grund für diese Teddybärenwoche gewesen ist: ich fand ihn nicht. Nicht an dem Platz in der Rumpelkammer, wo ich ihn ganz sicher vermutete, nicht im Bettkasten, nirgendwo. Und mein ‘Kerl’ (wie Anke das nennt) macht auch keine Anstalten, ihn wiederzufinden. Weg, verschwunden, keine Ahnung wo, verschollen oder weggelaufen, kein Foto jedenfalls. Vielleicht hangelt er sich irgendwo im Urwald von Ast zu Ast oder ist im Affen-Nirwana, ich weiß es nicht. Wahrscheinlich liegt er aber nur unspektakulär und staubbedeckt irgendwo in einem Winkel meiner Wohnung…

Okay, ja, ich geb’s zu, das nennt sich dann wohl ‘Versagen auf der ganzen Linie’: völlig verspätet antreten, einen gar nicht besonders alten Affen mit komischem Dreifachnamen als Teddybären unterschieben wollen und den dann noch nicht einmal finden und fotografieren können! Super, toll gemacht, ganz große Klasse, das ist doch mal ein kompletter Reinfall.

Aber ätsch, ich stell’ das jetzt trotzdem ein, vielleicht finde ich ihn ja noch irgendwann, dann wird das Foto von Herrn Schimpo Schischi Tapioka nachgeliefert. Vorerst  – damit ihr hier keine Randale macht – müsst ihr euch mit dem Bild eines ‘aktuellen’ Kuscheltiers trösten, das einzige, das die Kinder- und Jugendzeit in meinem Bett überlebt hat bzw. eigentlich noch viel jünger ist, nämlich erst gute 10 Jahre. Auf der anderen Seite sieht man ihm aber an, dass es liebgehabt und ‘benutzt’ wird, denn ich habe es fast jede Nacht in der Hand, es passt da einfach perfekt rein in meine Faust, den Kopf zwischen Daumen und Zeigefinger hindurchgestreckt, und das sieht man auch (u.a. am sehr schiefen Hals des Viechs).

 Ungeheuer_01.jpg

Voilà, darf ich vorstellen: das ‘Ungeheuer’. Ich habe es mal auf meinem Tiger-Sofa fotografiert, damit es wenigstens ein kleines bisschen gefährlich aussieht und nicht so wie die harmlose Schildkröte, die es wahrscheinlich darstellen soll. Das Biest ist natürlich von Steiff, aber warum genau es nun ‘das Ungeheuer’ heißt, weiß ich auch nicht. Seid ihr nun zufrieden mit meinem Teddybären?

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Cadeau

Ich kann kein Französisch und ich weiß auch nicht, ob ich es noch lernen will. Als kleines Kind habe ich zwei Jahre in Südfrankreich gelebt und später war ich beinahe alle Ferien dort, im Haus im Dorf mit dem Schloss. Richtig gelernt habe ich es nie.

Aber Französisch ist die Sprache, in der mir jedes Jahr gesagt wurde, wie sehr ich gewachsen sei und in der ich gewarnt wurde, dass ich gleich herunterfiele von der Mauer vor unserem Haus. Französisch ist die Sprache, in der ich gefragt wurde, ob ich heute ans Meer fahre und die Sprache, in der ich schwieg mit Julien, als wir zwei waren und miteinander spielten. Ich erinnere mich nicht, wie wir uns verständigten.

Französisch ist die Sprache meiner Kindheit, einer südlichen Kindheit und kein deutsches Wort wird jemals die Süße der französischen Worte ‘bonbon‘, ‘gâteau‘ oder gar ‘cadeau‘ erreichen. Kein deutsches Wort könnte jemals die ungetrübte Kinderfreude in mir hervorrufen, mich mit weichem Wohlklang streichelnd. Denn kein Geschenk heute kann das Kinderglück herbeizaubern, das ich bei einem ‘cadeau‘ empfand.

Ich glaube, ich möchte kein Französisch mehr lernen, ich will die Erinnerungen nicht zudecken, ich möchte bleiben beim Halbverstehen und meiner schlechten Aussprache, beim Gestammel, wenn ich zu sprechen versuche, ich möchte bleiben bei meinen Fehlern, aber mir dafür den Zauber bewahren und den wohligen Schauer, wenn ich das Wort ‘cadeau‘ lese.

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Vater

Dein Rücken eine Insel,
die mich trägt übers Meer,
die Erde unter den Füßen,
die mich stützt und hält
wohin ich auch will
und die Male darauf
meine Landkarte des Lebens.

Sag mir, wo liegt
vergraben der
Schatz?

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Vater

Das Messer in der Hand des Mannes nähert sich dem Fuß des kleinen, blonden Mädchens. Der Mann hält den Fuß des Kindes sehr fest. Es ist ein gutes Messer, ein scharfes. Sein Griff ist schwarz mit silbrigen Nieten und seine Klinge ist gebogen. Ein scharfgeschliffenes Messer, das man zum Stutzen der Weinreben benutzt, zum Abhacken der jungen Triebe, zum Ernten der Traubendolden.

Der Mann und das Mädchen sitzen auf dem Boden, auf der von der südlichen Sonne gelbgedörrten Wiese, wie Stroh, in kurzen Hosen und ihre Gesichter sind braun. Es ist sein Blau in ihren Augen und das Blond seiner Jugend in ihrem Haar. Sie ist vier und sieht ihn nicht an, sie blickt auf ihren Zeh, dem sich das schwarze Messer nähert. Sie wehrt sich nicht, sie sitzt still, ihr Fuß in der Hand des Vaters.

Keine Angst in ihrem Blick, sondern das größtmögliche Vertrauen, das blindeste. Keine Besorgnis auf ihrem Gesicht, nur Neugier, Konzentration. Und wenn Gott selbst es befähle, der Vater würde ihr auch nicht ein Haar krümmen. Unwiederholbar einmalig ist diese absolute Gewissheit des Kindes, dass ein Mensch ihr nur das beste will.

In der Annäherung des Messers liegt Zärtlichkeit. Es findet den Dorn im Zeh, es holt ihn hervor, befreit vom Schmerz, fügt keinen zu.

Sie schichten Holz fürs Feuer und grillen Lammfleisch und Courgettes, die ledrig werden wie Schuhsohlen. Sie blicken in den Himmel, als es dunkel wird und zählen Sterne und Sternschnuppen, auf dem Rücken liegend. Unwiederbringliches Aufgehobensein in den Armen des Vaters.

 

Mein Vater hat heute sechzigsten Geburtstag und es ist nur das beste, was ich ihm wünsche.

 

Anmerkung: Genesis 22,1-19

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