Dich atmen

für M. 

Dem Schrägschnitt Deines Haars folgen,
vom tiefen Augenbraun
zwischen Zuckerwimpern bis hin zur
duftweichen Nackenlinie.
Einpassen mein Haupt zwischen
Kopf und Schulter bei Dir,
an Deine Dufthaut dicht
die Nase pressen,
Deines Halses Hautsüße
sanft küssen und
Dich atmen.

Und nur manchmal
Herzfurcht vor zu viel
Vernunft
in Deiner Liebe und ich nur
die beste, die Dir begegnete, nicht
mehr, nicht
die eine und Zweifel
ob das reicht
mich zu ertragen.

In die Hautsüße Deines Nackens
schnellere Küsse drücken, duftweich und
vernunftvergessen
versinken in Deinem Hautduft
unterm Schräghaar,
nur Dich atmen, Liebster.

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Lustknospen

Lustknospen der Lyrik,
die man kitzeln, kosen, küssen muss
bis die Worte wahr werden und
sich Klänge nehmen,
bis sie kommt und
Gedichte sich ergießen
über einen wie Sternenfunken
trostloser Freude.

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Tröstung

Ich will Dein
Herz lecken
und die Tränen
wegküssen von ihm,
es hätscheln und hegen
und noch mit dem Salz
zwischen den Lippen
Dein Herz kitzeln
mit der Zungenspitze
bis es lacht.

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Schublade

Es liegt in meinem Schubfach
ein Brief an Dich,
wie ihn jeder liegen hat,
der jemals liebte.

Der Brief liegt lang und still
und meistens gut,
er zuckt nur manchmal,
wälzt sich dann
in meinem Blut.

Nur selten springt
es auf, das Schubfach,
enthüllt mir Schmerz,
ich lese dann
den roten Brief an Dich.

Dann wieg ich ihn
in meinen Händen
und will den Brief
zu Dir schon schicken,
doch leg ihn dann,
aus meinen Händen
zurück, ins Schubfach,
wo er liegt,
meist still und gut.

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am ende eines tages

jahre vergingen
und männer
und dennoch bin ich
am ende eines tages
immer noch
Dein
im traum

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Gebet

Den Namen Dein
ritz‘ in mich ein,
befreie mich
von Schuld und Schmerz
und friss mein Herz,
erlöse mich,
in mich dring ein,
und mach mich Dein.

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Vater

Dein Rücken eine Insel,
die mich trägt übers Meer,
die Erde unter den Füßen,
die mich stützt und hält
wohin ich auch will
und die Male darauf
meine Landkarte des Lebens.

Sag mir, wo liegt
vergraben der
Schatz?

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Wachsen

Wachsen, Weiter,
Höher, Größer Und
Hinaus Über Sich

und sich dennoch
bücken
nach jedem herzen

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Küsse und Worte

für Hilde Domin 

 
Ich lebe doch
fern der Welt
weiß nichts von ihr

und mag nur

Worte und Küsse
und Menschen
manchmal

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Engel

Esst mich, Engel,
habt keine Scheu,
seid ein Fluss um mich,
der mich flüsternd ertränkt,
seid ein Seil um den Hals,
das mir den Atem nimmt,
seid ein Schrei auf den Lippen,
der mich ertauben lässt,
seid ein Blitzen in den Augen,
das mich blind geblendet,
habt keine Scheu,
beißt in mein Herz,
das mich lebend erhält
und umbringt.
Fresst mich, Engel!

 

angeregt von Gedichten von Alban Nikolai Herbst und Texten aus seiner Schreibwerkstatt.

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