Silvester-Geschichte

Eigentlich sind es ja die größten Idioten, die Silvesterböller schon Tage vor dem Jahreswechsel zünden und knallen lassen. Das sind die, die irgendwas nicht verstanden haben, die nicht warten können, die kein Benehmen haben und ihren Mitmenschen ohne weiteres auf den Geist gehen. Es sind die, die sich nicht um die Schönheit mancher Traditionen und nicht um Rücksichtnahme auf verschreckte Haustiere scheren. Irgendwelche Volltrottel oder meinetwegen Kinder.

Aber es gibt auch Ausnahmen. Als sie mir sagte, dass sie Silvester nicht mehr erleben würde, war so eine. Sie war ganz ruhig dabei, sie sah mir fest in die Augen, aber ich glaube, ihre Stimme zitterte doch ein wenig. Ich wusste nicht, wie ich reagieren, was ich ihr antworten sollte, aber sie erwartete auch weder Reaktion noch Antwort. Sie sah mir weiter in die Augen und sagte: “Schenkst Du mir ein Feuerwerk, ein letztes?” und ich brauchte nur zu nicken.

Es war nicht schwer, die Feuerwerkskörper zu besorgen, mir ein Arrangement zu überlegen, das große Feld am Waldrand zu finden und sie hinzufahren. Es war nicht schwer, alles aufzubauen und sie dann in die Mitte der Wiese zu führen. Es war nur schwer, die Feuerwerkskörper dann zu zünden, mit all den Tränen in den Augen. Es war schwer ihr zuzusehen, wie sie in den Himmel blickte mit den großen Augen eines begeisterten Kindes, mit dem geöffneten Mund eines glücklichen Mädchens, bis der letzte Funken am Himmel versprüht war. Und das schwerste war, sie zurückzufahren und zu wissen, dass es nun vorbei war, ihr letztes Feuerwerk, ihr allerletztes, schon viele Tage vor Silvester.

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Alltagspoesie

Seit fast zwei Wochen findet sich an unserer Haustür folgendes Graffito:

 Love1.jpg

Dies mag ja mit dem heutigen Fest der Liebe irgendwie zusammenhängen und dieses Wort ist ja immerhin noch angenehmer als irgendwelche Beschimpfungen, dennoch finde ich Farbe und Ausführung ästhetisch mangelhaft. Ich habe überhaupt nichts gegen Graffiti, aber dann bitte wenigstens gut gemachte und nicht nur so etwas in hässlichem Grün und an jeder Häuserecke, nein (dunkleres tannengrün wäre in der Weihnachtszeit doch zumindest angebrachter gewesen).

Mir gefällt in diesem Sinne der Stempel, der sich ebenfalls an unserem Haus befindet, sehr gut und auch die ‘Frohe Botschaft’ scheint mir hier besser getroffen zu sein:

 ZumMeer_klein1.jpg

Schön wär’s ja, immerhin weist der Pfeil tatsächlich die Richtung zum Wasser, wenn’s auch nur die Isar ist.

Apropos möchte ich auch noch einige Beispiele für Alltagspoesie an meiner Gastherme zeigen. Hier erstmal etwas empfindsames (mit Hase):

 MeinHerz1.jpg

Hier noch ein fazitähnlicher Ausspruch, sozusagen mein Wort zu diesem Jahr, nahe der Selbsterkenntnis:

 Tropf1.jpg

Und letztendlich zumindest noch etwas ein wenig Weihnachtliches vom Kühlschrank:

 Milch1.jpg

Himlagott‘ war sehr leckerer Tee aus Schweden, der so rosa schmeckte wie die Packung aussieht, aber leider schon lange aus ist. Und wenn sowohl im Kühlschrank als auch im Himmel immer Milch vorrätig wäre, dann wäre das ja nicht das Schlechteste (wenn ich mich recht entsinne, dann stammt dieser Satz von Katl). In diesem Sinne: ich wünsche allen nochmal ein schönes Fest, möge es euch rosarot sein, und wer sich noch weiter besinnen mag, kann das ja mal mit meinem Gebet oder der Liebesgeschichte Organon versuchen (als Text oder Podcast), die zumindest in der Kirche spielt.

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Mein Glasherz

Für A. 

Ich kann Dir keinen Vorwurf machen,
wenn Du in kalten Winternächten
mit glaskühlen Fingern nach meinem Herzen
greifst, leise,
denn nachdem Du für die Ewigkeit einer Nacht,
mir gehörtest,
verlor ich Dich
im Schneegestöber eines nächtlichen Weiß,
in kaltklarer Glasluft,
im Taxischeinwerferschimmer,
in der Mitte der stillen Nachtstadt,
Flocken auf Deinem Haardunkel
und Dein Gesicht mit den Lippen,
schön zum Niederknien,
wird kleiner.

Ich gehe davon,
mit schneegefederten Schritten,
aber Du
hältst mein Glasherz
in Händen
und nur ich weiß,
dass wir uns nicht wiedersehen werden,
dass da wo ich hingehe
jemand wartet
auf mich.

Und mein gläsernes Herz
bleibt
in Deinen Händen.

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