Musik für sich

Heute habe ich mal wieder ein sehr bemerkenswertes Zitat in Alban Nikolai Herbsts Arbeitsjournal gefunden, wo dieser schreibt:

Wäre ich Musiker geworden, wäre ich zumindest latent autistisch. Das liegt daran, daß man Musik für sich ganz allein spielen kann, es kommt auf Publikum nicht an; Literatur ist anders, sie kommuniziert i m m e r, und wenn es nur mit einem „inneren Leser“ ist. Musik, selbst ausgeführte, braucht nur den, der sie spielt.

Über den Unterschied zwischen Musik und Literatur habe ich immer nur von der anderen Seite her nachgedacht, wie ihre jeweilige Technik ist, wie sie Wirklichkeit abbildet und Gefühle wiedergibt, wie sie auf den Hörer/Leser wirkt etc., nie von dorther: wer sie spielt oder schreibt. Und ANH hat Recht, scheint mir. Musik genügt sich selbst, Literatur nicht.

Allenfalls eine gewisse Art der Lyrik (natürlich keinesfalls jede!) könnte dazwischen stehen und selbstgenügsam sein wie Musik oder ein Tagebuch. Und professionelle Musiker müsste man einmal fragen, ob sie sich so etwas wie einen “inneren Zuhörer” nicht doch selbst konstruieren und vorstellen beim Spielen. Ganz abgesehen von Komponisten. Oder?

5 Comments for “Musik für sich”

says:

Ob man Musik und Literatur so einfach unterscheiden kann, finde ich fraglich, gehören sie doch zusammen. Ein Gedicht ohne Musikalität ist leer. Musik ohne den Reiz, die durch sie erzeugte Erfahrung sprachlich deuten zu wollen, ebenso. Und die oben beschriebene Selbstgenügsamkeit der Musik gilt doch, wenn überhaupt, nur für die absolute Musik.

says:

Es stimmt schon, dass Musik und Literatur irgendwie zusammengehören, dass Musik zur Literatur anregt und Literatur ohne Musikalität nichts taugt. Und dennoch kann man immer klar entscheiden, ob es sich bei etwas um Literatur oder Musik handelt, es gibt da eine ganz klare Trennlinie, oder nicht?

Zur Selbstgenügsamkeit der Musik: hier muss ich zumindest aus meiner Erfahrung heraus ANH schlichtweg rechtgeben. Und das auch nicht nur für ‘absolute Musik’, selbst wenn ich Musik mit Text spiele oder sogar sänge, reichte es mir, das ausschließlich für mich zu tun. Ob das dann verallgemeinerbar ist, weiß ich wie gesagt nicht…

says:

interessanter Gedanke mit der Selbstgenügsamkeit der Musik und der Literatur… Dennoch glaube ich, dass ANH nicht Recht hat… :-))

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