Schreibhemmungen

Es ist ziemlich still hier in letzter Zeit, sehr still, wenn man bedenkt, dass mein Examen nun vorbei ist und ich eigentlich Zeit hätte zu schreiben. Gruselig still, wenn man bedenkt, wie viel Zeit ich im Moment tatsächlich habe, wie wenige Verpflichtungen und wie viel, viel Freizeit, wie ideal die Bedingungen gerade sind. Besser: wären. Aber es ging irgendwie nicht und geht noch immer nicht. Irgendetwas lastet auf mir und ich werde es einfach nicht los. Es lastet und beschwert mich und bedrückt mich und hemmt mich und lässt mich nicht frei, lässt mich nicht atmen und die Worte nicht fließen, lässt mich nicht schreiben.

Von einer Stelle, an die ich mich hinwandte mit meinem Schreiben, wurde ich abgelehnt, wurde mein Schreiben abgelehnt und obwohl ich es irgendwie einsehe, kränkt es mich mehr als ich anfangs ahnte, es beleidigt mein Schreiben und entmutigt meine Worte und seitdem kam nichts mehr ins Fließen, seitdem traue ich mich nicht mehr, wage es einfach nicht, etwas zu schreiben und hier einzustellen. Ich fürchte zu sehr, dass es schlecht ist, um überhaupt zu schreiben zu beginnen. Und andererseits hadere ich mit meiner Zukunft und meinem Leben und weiß nicht so recht wie und was und warum das alles und freue mich manchmal ein bisschen und wehre mich öfter ein bisschen und fürchte mich meistens ziemlich. Eine ungünstige Konstellation.

Und jetzt muss ich mich erst einmal freimachen von dem Druck, den ich mir immer wieder selbst aufbaue, jetzt muss ich mir erneut sagen, was ich eigentlich schon weiß: dass meine nächste Geschichte nicht die beste der Welt werden muss, das nächste Gedicht nicht mein allerschönstes und der nächste Blogpost nicht der längste und lustigste überhaupt. Ich weiß es, aber mein Wissen nützt mir nichts, ich traue mich dennoch nicht, einfach loszuschreiben, komme was wolle.

Und dann denke ich, ich müsste doch wieder einmal ein Gedicht schreiben, weil ich schon so lange keines mehr geschrieben habe. Und merke nur, dass es dann natürlich erst recht nicht geht, denn Gedichte schreibt man eben, wenn sie kommen (wie Hilde Domin es so schön formulierte), nicht wenn man ein Gedicht schreiben will. Und die beste Strategie, sie am Kommen zu hindern, ist, sie unbedingt schreiben zu wollen. Zumindest bei mir. Und dann hilft auch kein so großes Lob mehr, wie es Chrizzo in ihrem Blog ausgesprochen hat, die mir einen Preis verleiht und dazu auffordert, in meinem Gedichtearchiv zu stöbern, was mich wirklich sehr freut und rührt. Denn dann hilft leider gar nichts mehr.

Ich weiß noch nicht, wie ich da rauskomme. Ich weiß noch nicht, ob es hier auch in nächster Zeit still bleiben wird oder ob das hier schon der erste und wichtigste Schritt war: mir darüber klarzuwerden und darüber zu schreiben. Oder besser: darüber zu schreiben und mir dadurch darüber klarzuwerden, denn so läuft es bei mir meistens. Wahrscheinlich sollte ich wirklich wieder schreiben, um mir über einiges klarzuwerden. Wenn das nur so einfach getan wie geschrieben wäre…

17 Comments for “Schreibhemmungen”

says:

Das hier ist doch schon ein sehr guter Anfang!
Irgendwie erinnert mich dein Posting an Wittgenstein: Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen 🙂
Ich freue mich jedenfalls auf deinen nächsten Beitrag, auch wenn es bis dahin noch ein bisschen dauer sollte.

says:

Danke für die schnelle und nette Reaktion. Tut schon gut zu wissen, dass hier überhaupt noch gelesen wird.

Und bei mir heisst es frei nach Wittgenstein ja meist: Worüber du nicht reden kannst, darüber solltest du schreiben. 🙂

says:

Deine Interpretation gefällt mir besser!
Ich wünsche dir alles Gute für die kommende Zeit, und gelesen wird hier sowieso weiterhin.

says:

Ich lese erst seit kurzem mit. Das Lyrik-Archiv hat mir sehr gut gefallen. Ich bin ziemlich mäkelig, was Gedichte betrifft. Wenn keine Reime da sind, dann müssen es wenigstens schöne Bilder sein. Und die habe ich gefunden. Womit ich keinen Druck ausüben möchte. Ich interessiere mich auch für alltägliche Blogeinträge.

says:

Oh, danke, ich bin entzückt. Und freue mich einfach ganz ohne Druck sehr über das Kompliment zu den schon vorhandenen Gedichten. Irgendwann werden schon neue kommen wollen… Hoffe ich zumindest.

says:

Immer mit der Ruhe, Frau Sprachspielerin. Du hast ja gerade einen ziemlich einschneidenden Abschnitt Deines Lebens hinter Dich gebracht, und Deine Zukunft wird nun in ganz neuen Bahnen laufen. Da ist ein wenig Ungewissheit und Zukunftsangst absolut normal. Und auch, dass man sich leichter angeschlagen fühlt.

Wir wissen ja, dass Du noch da bist. Wenn nun längere Zeit nicht viel von Dir kommt, ist das ok. Lass Deine Gedanken zur Ruhe kommen. Jemand, bei dem das Schreiben so fliesst wie bei Dir, berappelt sich schon wieder.

says:

Danke für die Worte. Und ja, wahrscheinlich hast Du Recht, wahrscheinlich habe ich einfach unterschätzt, was dieses Studienende so alles in einem umkrempelt. Ich dachte halt: super, jetzt kann ich endlich mit voller Kraft losschreiben und dem war dann eben nicht so.

Nun gut, dann warte ich eben einfach und sehe zu, wann es wiederkommt…

says:

hi Sprachspielerin,
hatte schon befürchtet, dass dir die Feuchtgebiete auf den Magen geschlagen sind. Freue mich ein Lebenszeichen von dir zu vernehmen und schließe mich dem oben Gesagten an. Vermutlich bist du nach dem ganzen Prüfungsstress in ein ziemlich tiefes Loch gefallen bist, da kommt frau halt nicht so einfach wieder heraus, aber du schaffst das schon, streng dich an! 😉
LG

says:

Nein, nein, die Feuchtgebiete waren nicht schuld, soooo schlimm sind die auch wieder nicht! 😉

Aber vielen herzlichen Dank, ich freue mich wirklich über jeden einzelnen ermutigenden Kommentar hier sehr! Danke!

says:

Irgendwie muß ich bei Deinen Worten an Watzlawick und seine Paradoxien denke. Der riet einem Studenten, der immer zu spät kam, jeden Tag etwas länger im Bett liegen zu bleiben. Eines Tages konnte dieser es nicht mehr aushalten und stand zur Zeit auf. So wird es mit Deinem Schreiben sein. Stecke die Grenze, bei der Du anfangen willst, immer weiter weg, eine Woche, ein Monat, Herbst, Weihnachten, wenn Du das wirklich in Dir trägst, wird es für Dich unerträglich langweilig werden und Du setzt Dich eines Tages wieder ran und es wird Dir leicht fallen. Nichts erzwingen. Und glaube mir, es wird nicht die einzige Schreibhemmung in Deinem Leben bleiben.

Herzliche Grüße

Henny

says:

Hm, interessante Technik, mal sehen was ich damit anfangen kann, hat mich jedenfalls zum Grinsen gebracht! Und ja, Du hast Recht: ich hatte schonmal 10 Jahre lang eine Schreibhemmung und die letzte wird das auch nicht sein, man sollte sich damit abfinden, dass es manchmal halt einfach nicht geht…

says:

Liebe Sprachspielerin,

ich drücke fest die Daumen, dass du deine Schreibhemmung bald überwindest. Ich bin erst kürzlich durch Zufall hierher gelangt und bin begeistert über deine Texte. Wann immer ich die Zeit finde, schaue ich mich hier in Ruhe um, denn deine Texte kann ich nicht “mal eben zwischen Tür und Angel” lesen.

Ich freue mich sehr, wenn es hier wieder neue Texte von dir gibt. 🙂

says:

nachdem ich deinen weblog erst durchs barcamp entdeckt habe, würde ich über eine länger anhaltenden schreibhemmung trauern. andererseits: bis ich alle bisher veröffentlcihten beiträge genossen habe, hast du sie vermutlich schon längst überwunden. Ich freue mich aufs Lesen!
Lg Anita

says:

[…] der Tür ins Haus gefallen. Um meine werten Leser mal auf den neuesten Stand zu bringen (denn mein letzter “privaterer” Eintrag in der Rubrik “Alltag” stammt schließlich vom 14. August): seit Mitte September […]

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