Stadtregen

Regen in der Stadt klingt ganz anders als der auf dem Land. Anders klingt das dumpfe, nachgiebige Prasseln auf ein Laubdach oder den weichen Waldboden als das harte, klare Abspringen der Tropfen vom feuchten, festen Beton oder von Blechdächern. Aber beide haben ähnliche Effekte, sie machen dumpf und dunkel, müde und traurig. Ich höre den Stadtregen immer, ich brauche nur die Augen zu schließen, träumerisch, und höre die Tropfen fallen und werde müde und traurig und schwer. Der Stadtregen ist in mir, rauscht um mich, macht mich frösteln und meine Gedanken dunkel. Dass man immer etwas verlassen muss, was einem lieb ist. Dass so vieles einfach verloren geht, mit der Zeit, fortrinnt wie Regentropfen. Dass man so sehr irren muss. Dass man nicht einfach wie eine Pflanze sein kann, die dem Licht zuwächst, nur nach oben und sie weiß wohin. Wohin? Meine Fußspitzen sind mir immer um ein weniges voraus, nichts kann ich dagegen tun, sie ragen nach vorn, wo ich gehe und stehe. Und doch wäre es besser, ginge mir mein Kopf voraus, nicht die Fußspitzen. Versuche ich aber, meine Füße in die erste Ballettposition zu zwingen, die Fersen aneinander, die Spitzen zu den Seiten, ist die Gefahr zu fallen zu groß, niemand kann so gehen, vorwärts, zum Licht, durch den Stadtregen, den innerlichen.

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